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ich finde, dass das EGplus einen großen Schatz an neuen Liedern zu allen Kirchenjahreszeiten birgt. Für mich gehört zu diesem Schatz auch das Weihnachtslied EG+ 4 Es wird nicht immer dunkel sein, das wir für den Monat Dezember als Monatslied ausgesucht haben. So lautet sein Text:

Es wird nicht immer dunkel sein – so klingt seit alter Zeit das Wort der Hoffnung hell hinein in Menschentraurigkeit. Und halten auch die Hirten noch im Finstern ängstlich Wacht, hat doch Gott schon den Himmel aufgemacht in der Nacht, hat doch Gott schon den Himmel aufgemacht.

Kann so viel Licht im Dunkel sein und so viel heller Schall? Der Engel lädt die Hirten ein zu Jesus in den Stall. Sie ahnen, während rings der Himmel laut vor Freude lacht: Gott hat sich zu uns Menschen aufgemacht in der Nacht. Gott hat sich zu seinen Menschen aufgemacht.

Da wo die tiefsten Schatten sind, lässt Gottes Licht sich sehn. Noch ist es klein, so wie das Kind, vor dem die Hirten stehn. Sie haben nichts als nur verzagte Herzen mit- gebracht. Aber Gott hat den Himmel aufgemacht in der Nacht. Gotthat heute seinen Himmel aufgemacht.

Es wird nicht immer dunkel sein – hat uns das Kind gezeigt, auch wenn bis heut die Finsternis vor unseren Augen steigt. Doch wer das Licht bei Jesus sucht noch in der tiefsten Nacht, der hat sich schon zum Himmel aufgemacht, hat bei Nacht sich auf Erden schon zum Himmel aufgemacht.

In den Gottesdiensten in der Advents- und Weihnachtszeit werden wir es miteinander immer wieder singen. Ich freue mich darauf!

Das Lied gefällt mir so gut, weil es nichts verschweigt oder schön redet. Gott sei Dank nicht immer, aber oft erleben Menschen Traurigkeit.
Oft erlebt man das Leben als dunkel und finster. Kein Licht ist zu sehen. Keine Hoffnung zu erahnen. Traurigkeit, die Menschen erleben: Pläne,
die man geschmiedet hat, lassen sich nicht umsetzen.

Menschen, die man liebt, gehen andere Wege.
Streit kommt auf und das Miteinander ist nicht mehr möglich.
Vorurteile erschweren eine Begegnung. Worte sind so hart, dass sie verletzen.
Eine festgestellte Krankheit verändert den Alltag.
Politische Entwicklungen machen Angst.
Kriege machen in vielen Ländern das Leben unmöglich.
Im Tod werden Grenzen aufgezeigt.

Ja, Menschen erleben Traurigkeit. Ganz unterschiedlich. Immer wieder. Diese Erfahrung ist Teil unseres Lebens.
Und diese Erfahrung verbindet Menschen miteinander – ganz gleich, aus welcher Kultur sie kommen. Da ist das Lied ganz klar. Da verbirgt es nichts.

Es bleibt aber nicht dabei stehen, sondern weitet den Blick auf die Hoffnung, die wir mit Weihnachten verbinden: nämlich dass Gott schon den Himmel auf gemacht hat.

Das verstehe ich so: Gott bleibt nicht im Himmel, sondern er kommt in die Traurigkeit der Menschen. Er kommt in die nicht umsetzbaren Pläne, in die getrennten Wege, in unsere Streitigkeiten, in misslungene Begegnungen, in verletzende Worte, in Krankheit, Angst und Tod. Gott kommt in die Welt, er ist da, im Kind Jesus teilt er all das, was Menschen erleben.

Gott hat schon den Himmel auf gemacht: damit ist nicht alles gut. Deswegen ist nicht alle Traurigkeit vorbei. Dadurch lösen sich nicht alle Probleme und Fragen, die wir haben. Aber in dem allen dürfen wir darauf vertrauen, dass wir nicht allein sind. In den Grenzerfahrungen unseres Lebens können wir darauf hoffen, dass Gott in Jesus da ist und uns zur Seite steht.

Gottes Gegenwart und Nähe können wir auf unterschiedliche Art und Weise erleben. Manchmal erleben Menschen Gottes Nähe darin, dass Kraft zuwächst, die man nicht bei sich vermutet hätte. Manchmal in anderen Menschen, die da sind, helfen und zuhören.

Oder in guten Worten, die zu und für einen gesprochen werden, in einer Umarmung und einer wohltuende Geste. Gott ist darin phantasievoll, uns zu begegnen.

Die Hirten erleben das zuerst. Die Engel erzählen es ihnen: „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren. Ehre sei Gott in der Höhe!“ Das verändert deren Leben, lässt sie froh werden! Weihnachtsfroh! Diese Freude wünsche ich uns auch, heute, an Weihnachten und darüber hinaus.

Friedrich Heidelbach