Aktuelle Seite: Startseite Im Blick

Im Blick

In diesem Jahr ist das Wort Reformation in aller Munde.

Die evangelische Kirche erinnert sich 2017 in besonderer Weise an ihre Anfänge. Der Blick geht über 500 Jahre zurück. Da gibt es viel zu entdecken.

Das Wort Reformation beschreibt eine kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. Jahrhundert, die sich über ganz Europa zog.
Sie hatte große Auswirkungen auf viele Bereiche des Lebens. Sie veränderte und beeinflusste Musik und Kunst, Bildung und Sprache, Politik und Soziales.

Reformation ist ein komplexer, jahrzehntelanger Prozess, an dem viele unterschiedliche Menschen beteiligt gewesen sind. Frauen und Männer in
Deutschland und der Schweiz, in Italien, Spanien
und anderen Luther2017.jpgeuropäischen Ländern wagten,
Neues zu denken.
Es wurde gestritten, diskutiert, widerlegt und
in Frage gestellt. Und es wurde auch gekämpft.


Die Reformationsbewegung war facettenreich
und ging in unterschiedliche Richtungen.
Licht und Schatten lagen nah beieinander.

So kommt zu allen Feiern auch die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte hinzu. Dabei wird an der Person Martin Luther viel festgemacht.
Seine Haltung zu den Juden und seine Position in den Bauernkriegen werden kritisiert. Über seine Bibelübersetzung und Lieder freuen sich viele.
Martin Luther war bewegt von der Suche nach einem gnädigen Gott. Diese Suche war für ihn existentiell. Die Antworten der Kirche und der damaligen
Theologie halfen ihm nicht weiter. Er suchte und wurde in der Bibel fündig.

In der Beschäftigung mit dem Römerbrief ging ihm plötzlich ein Licht auf. „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ (Römer 3, Vers 22) Das war für
ihn entscheidend. Diese Einsicht wirkte befreiend. Nicht mehr die frommen Werke und Leistungen waren entscheidend, sondern der Glaube an Jesus Christus.

Martin Luther erkannte, dass er sich nicht um einen gnädigen Gott bemühen musste, sondern dass Gott ihm schon längst seine Gnade geschenkt hatte in Jesus Christus. Die Worte der Bibel hatten eine große verändernde Kraft für sein ganzes Leben.

Dahinter konnte er nicht mehr zurück, dafür riskierte er sogar sein Leben.

Und wir heute? Was machen wir mit dem Erbe der Reformation? Was hat uns Martin Luther heute noch zu sagen? Der Bischof unserer Landeskirche
gibt darauf folgende Antwort:Lutherteppich.jpg

„Luther ist so aktuell, wie er immer war.
Seine Botschaft heißt zum einen, dass wir
unserem Gewissen folgen, auch wenn andere
eine andere Meinung vertreten. Zum anderen gilt es,

die Freiheit, die uns der Glaube schenkt,
verantwortlich wahrzunehmen.“ Und: „Wir müssen Auskunft geben können,
weshalb wir evangelisch sind.“

(Zitat aus dem Sommerinterview des Bischofs, Quelle: medio)

So verstanden lädt das Jubiläumsjahr mit seinen vielen Veranstaltungen
und Aktionen dazu ein, sich der eigenen Glaubensgrundlagen zu vergewissern.
Am besten ist das in
der Gemeinschaft mit anderen möglich.
Im Gespräch können wir uns austauschen:
Was ist dir wichtig an deinem Glauben und an deiner Kirche?
Was bewegt dich im Innersten?

Was trägt und hält dich im Leben und auch im Sterben?

Wo ein solcher Austausch möglich ist, da können Grenzen der Konfession und vielleicht auch der Religion überwunden werden.
Ein anderes Miteinander ist möglich, das geprägt ist von Interesse und Neugier und weniger von Vorurteilen und bösem Gerede.

Diesen Ansatz haben auch Benjamin Altmann, Lieselotte Schreiber, Daniela Gräbe und Gundula Kühneweg mit ihrem Projekt des „Häkelluthers“ verfolgt. Das Häkeln von 2480 Quadraten ist nur mit Hilfe vieler Menschen möglich gewesen. Fremde und Alteingesessene sind dabei miteinander ins Gespräch gekommen. So ist der 6,20 mal vier Meter große Lutherteppich als besonderes Gemeinschaftswerk entstanden. Am Reformationstag wird er am Turm auf dem Schlossberg erneut zu sehen sein. Ich bin beeindruckt von dieser Aktion und von ihrem Ergebnis. Vielen Dank für diese originelle Idee! Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Anke Zimmermann