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kennen Sie das auch? Da gehe ich schwer beladen vom Auto zur Haustür, habe in der einen Hand einen Einkaufskorb, in der anderen eine voll gepackte Tasche und unter den Arm eine Jacke geklemmt. Und dann stehe ich vor der Haustür – und die ist verschlossen. Was sonst! Dann muss ich alles aus der Hand legen, die Tür aufschließen, akrobatisch einen Fuß dazwischen klemmen, alles wieder aufnehmen und kann dann endlich das Haus betreten. Ich bin in solchen Momenten sehr ungeduldig… Na klar, wenn alle verschlossenen Türen sich so leicht öffnen lassen würden, dann wäre das Leben einfach… Manchmal aber sind uns im Leben Türen verschlossen, die sich nicht so einfach öffnen lassen – vielleicht sogar gar nicht…

Vor verschlossenen Türen stehen.

Ich denke an einen jungen Mann, der sich hochmotiviert auf verschiedene Ausbildungsstellen beworben und überall eine Absage erhalten hat. Keiner hat eine Stelle für ihn. Niemand will ihm eine Chance geben. Er hat keine Idee, wie es weitergehen kann. Das ist wie vor einer verschlossenen Tür stehen…

Vor verschlossenen Türen stehen.
Mir erzählt jemand von einer Frau, die schwer erkrankt ist. Damit sind erstmal alle Pläne, die sie gehabt hat, in Frage gestellt. Alles muss neu bedacht werden, erscheint auf einmal in einem anderen Licht. Wenig Hoffnung hat sie. Das ist wie vor einer verschlossenen Tür stehen…

Vor verschlossenen Türen stehen.
Manchmal erlebe ich persönlich solche verschlossenen Türen, wenn ich mit anderen Menschen Streit habe. Obwohl wir Gutes füreinander wollen, schätzen wir die Wege dahin unterschiedlich ein. Unstimmigkeiten, gegensätzliche Ideen, ein unbedachtes Wort sind die Folge – und schnell ist ein Misston da, der das Miteinander schwer macht. Auch dann stehe ich wie vor einer verschlossenen Tür und den Schlüssel zu finden, diese Tür wieder zu öffnen, ist nicht immer einfach.

In diesen Tagen feiern wir Advent. Wir werden das Lied, an das die Titelseite unsers Gemeindebriefes erinnert, jetzt reichlich singen: auf jeden Fall in den Gottesdiensten, vielleicht auch bei den verschiedenen Adventsfeiern oder gar zu Hause beim Schein einer Kerze.

>Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat<.

Dieses Lied gehört für viele zum Advent. Dieses Lied können viele auswendig. Es erinnert uns an Weihnachten, an die Geburt des Christuskindes. Ihn bekennen wir als Herrn, als König und Heiland. Im Gepäck hat er Heil und Leben, zum Lob Gottes lädt er ein. Ihm sollen die Türen geöffnet und die Tore aufgemacht werden, denn in ihm begegnet uns Gott.

Die fünfte Strophe sagt es so:
>Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.<
Darum geht es im Advent und schließlich an Weihnachten: in unserem Herz, in unserem Leben, in unserem Tun und Denken soll dieser König mit seinen Gedanken und Sichtweisen von uns Menschen und Gott einen Platz finden. Glauben nennen wir diese Haltung, Vertrauen in Gott und seine Möglichkeiten für uns Menschen. Das will uns verändern, zugleich füreinander und für die Fragen, die sich uns in unserer Zeit stellen, sensibel machen.

Nicht alle verschlossenen Türen unseres Lebens werden durch den König aller Könige, den Heiland der Welt, geöffnet. Manche bleiben verschlossen. Das ist schwer auszuhalten. Wissen dürfen wir aber, dass dieser König aller Könige, das Kind in der Krippe, auf der Seite von uns Menschen steht. Das gilt, ganz gleich, was das Leben für uns bereithält. Und es stellt uns zueinander in Verantwortung. Es kann mir nicht gleichgültig sein, wie es dem Menschen geht, dem ich begegne.

Manchmal aber öffnen sich auch Türen – und das hat für mich mit dem Kind in der Krippe zu tun, das durch seinen Geist in unserer Welt wirkt. Da entwickele ich Kräfte, die ich nicht bei mir vermutet hätte, so dass ich eine Aufgabe schaffen kann. Da sagt mir jemand Worte, die mir gut tun und mich neu auf den Weg bringen. Da erlebe ich, dass nach einem Streit Versöhnung und ein Neubeginn möglich ist. Türen öffnen sich. Solche weihnachtlichen Erfahrungen wünsche ich uns miteinander.

Friedrich Heidelbach