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Im Blick

Haben Sie gute Sommertage erlebt? Sind Sie gesund geblieben? Haben Sie die Hitze gut überstanden? Hatten Sie schöne Urlaubstage? Haben Sie ein besonderes Fest gefeiert? Hatten Sie Grund zur Dankbarkeit?
Es sind viele Fragen am Anfang des Textes. Und eigentlich müsste man jetzt erzählen können oder im Kalender blättern oder im Tagebuch lesen.

Die gestellten Fragen können helfen, zu erinnern, was gewesen ist. Der zeitliche Abstand zum Erlebten kann helfen, klarer zu sehen, was war.


War der Sommer 2018 gut oder schwer für Sie? Vielleicht waren die Tage ja auch gemischt, so ist es oft in unserem Leben. Und es stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen.
Ich denke, dass das Schwere und Traurige in unserem Leben benannt werden muss vor anderen Menschen und vor Gott. Die Klage ist eine wichtige Ausdrucksform unseres Glaubens. Die Klagepsalmen in der Bibel sind dafür eine gute Vorlage. Psalm 13, Psalm 22 und Psalm 130 sind Musterbeispiele der Klage.
Aus der Tiefe rufen Menschen zu Gott, aus der Tiefe ihrer Verzweiflung und ihres Schmerzes, aus der Tiefe ihrer Angst und ihres Leides.

 

Da klagen Menschen Gott die Zumutungen ihres Lebens und ihres Glaubens. Sie verschaffen sich Luft und sie fordern Gott heraus. Er soll helfen und die Lage ändern.
Die Klage ist wichtig, damals wie heute. Sie gehört zum Leben und Glauben einfach dazu. Die Klagepsalmen ermutigen uns, Gott in den Ohren zu liegen und ihn immer wieder um sein Eingreifen und seine Hilfe zu bitten.
Erstaunlicherweise bleiben viele Klagepsalmen jedoch nicht bei der Klage stehen. Sie beschreiben auch einen Wendepunkt im Leben des betenden Menschen. Und manche enden sogar mit dem Lob Gottes.
Der Blick verändert sich. Auch das Gute kann gesehen werden und Dankbarkeit wird erlebt und ausgedrückt.

Sie kann genau wie die Klage auch vor Gott und vor anderen Menschen benannt werden.

Wofür bin ich dankbar?

Dazu habe ich einen Text gefunden, der einlädt, das Gute zusehen, was ich habe, was ich als Selbstverständlichkeit verstehe oder was mich sogar nervt. Es ist ein Text, der zu einer Veränderung des Blickwinkels einlädt.

 „Ich bin dankbar …

… für die Steuern, die ich zahle …
Weil das bedeutet, ich habe Arbeit und Einkommen.

… für die Hose, die ein bißchen zu eng sitzt …
Weil das bedeutet, ich habe genug zu essen.

… für das Durcheinander nach einer Feier, dass ich aufräumen muss…
Weil das bedeutet, ich war von lieben Menschen umgeben.

… für den Rasen, der gemäht  und für die Fenster, die geputzt werden müssen …
Weil das bedeutet, ich habe ein Zuhause.

… für die Parklücke ganz hinten in der letzten Ecke des Parkplatzes…
Weil das bedeutet, ich kann mir ein Auto leisten.

… für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung…
Weil das bedeutet, wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.

… für die Frau, die in der Gemeinde hinter mir sitzt und ziemlich falsch singt …
Weil das bedeutet, dass ich gut hören kann.

… für die Wäsche und für den Bügelberg …
Weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.

… für den Wecker, der morgens klingelt …
Weil das bedeutet, mir wird ein neuer Tag geschenkt.“

Dankbar sein für die Dinge meines Alltags und das Gute auch in allem Schweren nicht vergessen, das ist und bleibt für mich eine echte Aufgabe. Nur gut, dass wir das Erntedankfest haben. Für mich ist es eine Erinnerungshilfe.

Es erinnert mich daran, bewusst zu sehen und wahrzunehmen, was mir geschenkt ist von anderen Menschen und von Gott. Ich kann danke sagen und übe es täglich in meinem Abendgebet.

Anke Zimmermann