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Diese Andacht schrieb Pfarrer Frierich Heidelbach, Homberg.

Andacht für Zuhause für den 9. August 2020
(9. So. n. Trinitatis; Jeremia 1,4-10)

ERÖFFNUNG/LIED EG 295 Wohl denen, die da wandeln…
1. Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit.
Die recht von Herzen suchen Gott und seiner Weisung folgen, sind stets bei ihm in Gnad.

3. Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig gehen den Weg deiner Gebot.

 

BIBELLESUNG Jeremia 1,4-10
Eines Tages sprach der HERR zu mir:
»Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen. Du sollst ein Prophet sein, der den Völkern meine Botschaften verkündet.«
Ich aber erwiderte: »O nein, mein HERR und Gott! Ich habe keine Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!«
Doch der HERR entgegnete: »Sag nicht: Ich bin zu jung! Zu allen Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden, was ich dir auftrage. Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.«
Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: »Ich lege dir meine Worte in den Mund und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!«

Wort des lebendigen Gottes!

 

GEDANKEN zu Jeremia 1,4-10
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich könnte mir vorstellen, dass wir dieses Gefühl irgendwie alle kennen und schonmal erlebt haben: von einer Aufgabe, die sich uns stellt, erstmal überfordert zu sein. Den Eindruck zu haben, dass man das nicht schaffen kann, was vor einem liegt. Zu vermuten, dass man keine Kraft, keine Ideen, keinen Mut hat, eine Herausforderung anzugehen, die da ist. Wie ein hoher Berg. Steil. Unüberwindbar. Nicht zu schaffen!

Ich denke an eine junge Frau, die zu Beginn ihres Studiums zu der Erkenntnis kommt, dass alles in ihrem bisherigen Leben nichts ist gegen das, was nun vor ihr liegt.
Mir kommt ein junges Paar in den Sinn, das füreinander große Liebe empfindet und ernsthaft und dauerhaft zusammenbleiben möchte und sich fragt: Schaffen wir das? Können wir miteinander unseren Weg so gehen, dass das Bestand haben kann?
An krank gewordene Menschen muss ich denken, die nach der Diagnose verzweifeln und nicht mehr weiterwissen. Das Leben mit seinen Hoffnungen und Träumen zerplatzt und löst sich in ein Nichts auf!
Erinnert werde ich an Menschen, die andere in ihrer Krankheit begleiten und ihnen nah sind. Kann das gutgehen? Habe ich dafür die Kraft? Halte ich das Leid aus? Wie soll ich das schaffen?
Manchmal muss man sich beruflich neuen Herausforderungen stellen. Da gibt es eine neue Aufgabe, die an einen herangetragen wird und man sieht für sich selbst nicht, dass man dafür die Begabung und die Möglichkeiten hat.
Viele Konfirmandinnen und Konfirmanden kennen das als Schülerinnen und Schüler: bei einem anstehenden Schulwechsel, vor schweren Klassenarbeiten (bei mir war das vor allem immer Englisch und Latein!) oder zu haltenden Referaten. „Ich kann das nicht. Ich kann das nicht gut genug!“ sind dann die Sätze, die durch den Kopf und das Herz gehen…
Viele Beispiele könnten wir da noch zusammentragen.

„Ich kann das nicht. Ich kann das nicht gut genug!“ So hat es wohl auch der Prophet Jeremia erlebt, von dem wir eben in der Lesung gehört haben. Überfordert fühlt er sich. „Ich kann das nicht. Ich kann das nicht gut genug! Ich bin zu jung!“ sind seine ersten Gedanken, als Gott ihm zum Propheten beruft. Ich bin dafür nicht geeignet. Ich habe dafür keine Qualifikation. Ich habe keine Erfahrung! Wie ein unüberwindbarer Berg liegt diese Aufgabe vor ihm.

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich finde diese Berufungsgeschichte sympathisch. Da ist einer, der bekennt seine Überforderung. Da ist einer, der sagt, ich kann das nicht. Da gibt einer zu, ich bin dem nicht gewachsen. Das ist ehrlich. Jeremia steht zu seiner Ratlosigkeit, zu seinem fehlenden Mut. Das gefällt mir! Das macht mir Mut für die Aufgaben, die ich als Überforderung sehe.
Mir gefällt das in einer Zeit, in der so viele starke Menschen auftreten und sagen: „Ich weiß, wie es geht! Ich habe die Ahnung. Und deswegen will ich Macht und Einfluss – und das nehme ich mir, ganz gleich, was das mit anderen macht!“

„Ich bin zu jung!“ sagt Jeremia! Gott wischt diesen Einwand zur Seite und er bekommt gesagt: „Du sollst dahin gehen, wohin ich dich sende!“ - „Ich bin dabei. Ich bin an deiner Seite. Ich nehme dich an die Hand! Du bist nicht allein!“, heißt das doch!
„Ich bin zu jung!“ sagt Jeremia! Gott sagt: „In meinem Namen sollst Du reden!“, sagt Gott, - Das heißt doch: „Ich lege meine Worte in deinen Mund. Du musst nicht alles aus Dir selbst heraus erfinden. Das rechte Wort kommt zur richtigen Zeit! Habe Geduld und Vertrauen!“ heißt das doch!
„Ich bin zu jung!“ sagt Jeremia! Gott sagt: „Ich kannte dich schon, ehe du da warst!“ „Schon vor Deinem Anfang war ich da! Und das bleibt auch so in der Aufgabe, die vor Dir liegt: ich bin da und dabei!“, heißt das doch!

So wird Jeremia auf den Weg gebracht. Ob ihm die Zusagen und Versprechen Gottes geholfen haben? Das wissen wir wohl nicht genau. Überliefert von ihm sind aber viele Reden, auch Zeugnisse von seinen Stimmungen und Berichte über sein Geschick. Die Überlieferung sprudelt förmlich. Viel wird ihm zugeschrieben. Jeremia zählt schließlich zu den vier großen Propheten der Bibel.

Liebe Leserin, lieber Leser,
und was machen wir nun hier mit dieser Geschichte? Kann sie uns helfen in unseren Erfahrungen der Überforderung? Wir sind ja alle keine Propheten wie Jeremia…

Ich möchte diese starken Worte Gottes auch für uns heute hören. Ich möchte diese mutmachenden Worte, die Gott Jeremia zuspricht, auch auf unsere Erfahrungen anwenden. 
Wenn wir sagen: „Ich kann das nicht!“ können wir von Gott hören: „Ich bin an deiner Seite!“
Wenn wir sagen: „Ich bin dafür zu schwach!“ können wir von Gott hören: „Ich mache dich stark!“
Wenn wir sagen: „Das ist mir zu viel!“ können wir von Gott hören: „Ich fülle deinen Mangel aus!“
Wenn wir sagen: „Ich habe Angst!“ können wir von Gott hören: „Ich bin bei Dir! Vertraue mir!“

Wir können das so hören, weil Jesus auch so geredet und uns das zugesagt hat. Er verspricht: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“

Liebe Leserin, lieber Leser,
gegen die Erfahrung von Überforderung helfen gute Wort – Gott spricht sie uns zu! So wie Jeremia das erfahren hat.
Manchmal hören wir diese Worte auch von anderen Menschen. So hört sich das dann an: „Ich unterstütze dich. Ich begleite dich. Ich helfe Dir. Du bist nicht allein. Lass uns zusammen diesen Weg gehen. Ich höre zu. Ich bete mit Dir. Ich überlege gemeinsam mit Dir, wie das gehen kann. Ich bin für dich da! Ich liebe dich!“
Das lässt sich gut hören, oder?
Für mich Gottes Worte im Menschenwort.

Mir helfen solche Worte, einen ersten Schritt zu gehen. Mich aufzurichten und klarer zu sehen. Mir hilft das, Aufgaben zu durchdenken und Situationen einzuordnen. Mir hilft das, dann zu handeln, so gut wie ich kann. Im Vertrauen auf Gottes Liebe und Nähe. Im Vertrauen auf die Begleitung anderer Menschen.

Ähnliches hat auch eine junge Frau erfahren, deren Freundin bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die Beerdigung lag vor ihr wie ein großer, steiler, nicht zu überwindender Berg. Gebetet hat sie in dieser Situation. Um Kraft und Mut. Um Ausdauer und Stärke. Für diesen Weg. So hat sie erzählt
Bekommen hat sie genau das: Kraft und Mut. Ausdauer und auch Stärke. Soviel sogar, dass sie auch noch andere Menschen trösten und ihnen beistehen konnte.

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Amen.

 

MUSIK/EG 614,1-4 Lass uns in deinem Namen Herr…
1. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.     

2. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben.

3. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.

4. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.

 

FÜRBITTGEBET
Guter Gott,
es gibt Zeiten, da fühlen wir uns stark. Wir sehen uns den Herausforderungen des Lebens gewachsen, packen mutig die Aufgaben an, die vor uns liegen. Zuversichtlich sind wir, dass uns gelingt, was wir uns vornehmen.

Doch auch das kennen wir: Respekt haben wir vor einer Aufgabe, die zu schwer, an einer Herausforderung, die zu groß, an einer Beziehung, die zu kompliziert ist. Ohnmächtig stehen wir vor den Problemen unserer Welt. Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung deiner Schöpfung – von all dem sind wir weit entfernt. Vieles, was geschieht, macht uns Angst.

Wir brauchen einen, der uns aufrüttelt und der uns sagt: »In der Welt habt ihr Angst! Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!«
Wir brauchen dich, Gott.
Du hast eine jede und einen jeden von uns begabt, hast uns mit Fähigkeiten ausgestattet und uns Verantwortung gegeben. Lass uns unsere Gaben immer wieder neu entdecken, sie nutzen für unser Leben und für das Leben auf der Welt. Du hast uns versprochen: Im Gelingen und im Scheitern bist du da. Wenn wir fallen, hilf du uns wieder auf die Füße! Zeige uns den Platz, an dem du uns haben willst.

Sei bei all den Menschen, die mit dem Leben Mühe haben. Sei bei denen, die an das Ende ihres Lebens kommen, bei denen, die keinen Sinn sehen in dem, was sie tun müssen. Sei bei denen, die in den Kriegsgebieten unserer Welt leben. Sei bei denen, die flüchten. Sei Du ihnen nah und lass uns nicht so leben, als ginge uns das nichts an.

Schenke Frieden für unsere Welt!

VATER UNSER

SEGEN
So segne und behüte uns alle unser Gott, der Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.