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Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg

Andacht für Zuhause, Februar 2026

ERÖFNUNG
Gott segne diese Andacht. Amen.

IMPULS
„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“
So dachten die Menschen zur Zeit des Alten Testaments.
„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“

So dachten auch die Menschen zur Zeit Jesu.

„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“ – Diese Gedanken begegnen uns auch noch heute. Da komme ich mit einem älteren Mann zusammen, der eine schwere Krankheit hat. Sein ganzes Leben hat er nur Gutes getan, war offen für andere, hat geholfen, wo er konnte. Nun die Krankheit und er fragt: „Womit habe ich das verdient? Warum passiert mir das? Warum lässt Gott das zu? Will er mich bestrafen?“ Ich verstehe seine Fragen, eine Antwort zu geben, ist aber schwer.

Ich verstehe seine Fragen und denke an die vielen Unruheherde in der Welt. Die vielen Kriege – besonderes, Frauen, Kinder und alte Menschen leiden darunter. Warum lässt Gott das zu? Womit haben sie das verdient?

Ich sehe die Bilder von Naturkatastrophen. Da wälzt sich eine Schlammlawine durch ein Tal, Menschen kommen ums Leben, können sich nicht retten. Leid erfahren die Angehörigen. Warum passiert das? Warum müssen Menschen das erleben?

Mir kommen Menschen in den Sinn, die sich durch Lug und Trug nach oben gearbeitet haben. Die reich sind, alle Vorteile zu ihren Gunsten ausnutzen, Wahrheit zu ihrer Wahrheit machen und dann ihren Weg gehen. Warum bremst Gott die nicht? Warum gebietet er keinen Einhalt, wenn wir Menschen es schon nicht tun oder können?

Ich blicke in die Geschichte und werde an Kriege, den Holocaust, an Ungerechtigkeiten erinnert. Warum lässt Gott das zu? Warum müssen die Menschen das erleiden? Wo ist da Gerechtigkeit? Und warum greift Gott nicht ein?

„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“ – diese Gedanken bewegen vermutlich auch viele von uns. Ungerecht ist die Welt. Der Starke setzt sich durch, der Schwache fällt hinten runter. Unschuldige erfahren Leid, Schuldige kommen so davon. Nein, gerecht ist das nicht! Wo ist Gott in alle dem?

„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“ Das war das Denken der Menschen zur Zeit des Alten Testaments – und auch schon damals ging das aber nicht auf. Die Erfahrungen waren andere. Die Realität stimmte mit dem nicht überein. Fromme Menschen richten sich nach Gottes Geboten – und trotzdem erleben sie Leid und müssen sie früh sterben. Andere wollen von Gott nichts wissen und lebten in Saus und Prauss. Das warf Fragen auf. Das verunsicherte. Das ließ Zweifel aufkommen.

Aus dem Buch des Predigers, Kapitel 7, die Verse 15-18.
>In meinem vergänglichen Leben habe ich viel gesehen: Manch einer richtet sich nach Gottes Geboten und kommt trotzdem um; ein anderer will von Gott nichts wissen, aber er genießt ein langes Leben.
Sei nicht allzu fromm und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Warum willst du dich selbst zugrunde richten?
Sei aber auch nicht gewissenlos und unvernünftig! Warum willst du sterben, bevor deine Zeit gekommen ist?
Es ist gut, wenn du dich an beides hältst und die Extreme vermeidest. Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg.<

Mit dem Prediger teilen wir Heutigen vielleicht das Gefühl, dass die Welt ungerecht ist. Das Tun von Menschen und das Ergehen passt nicht in unser Schema. So einfach ist die Welt nicht: dem Gutes Tuenden geht es gut, der Böse wird bestraft. Das Leben und seine Deutung ist komplizierter, weiß auch der Prediger aus seiner Beobachtung des Lebens. Sein vorurteilsloser Blick zeigte ihm: Menschen, die man als Gerechte bezeichnen würde, starben früh – und andere, die hier als Frevler oder Gottlose bezeichnet wurden, überlebten sie um Jahre.

Man kann beim ersten Hören des Predigttextes auf die Idee kommen, hier werde ein ausgewogener Mittelweg zwischen Gerechtigkeit und Frevel vorgeschlagen, auf dem man sich durchs Leben schlängeln kann. Genau das ist nicht der Fall. Wer sich gegen Gott wendet, spielt seiner Meinung nach ein gewagtes Spiel, genauso wie jener, der sich im Religiösen gerne als Bester unter Besten darstellen möchte. Beides sind für ihn Wege, die in den Abgrund führen.

Welchen Weg schlägt er aber vor, um die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes zu klären?
>Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg.<
So rät er. Fürchte Gott. Klug und weise handelt derjenige, der sich nicht von Gott abwendet angesichts der Unvorhersehbarkeit des Lebens. Anstelle von Verzweiflung vertraut er auf Gott – trotz oder gerade wegen seiner Erfahrungen.

>Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg.<
Wie verstehen Sie den Begriff Ehrfurcht? Sich darüber auszutauschen wäre spannend…

Ich gebe Ihnen meine Deutung.
Ehrfurcht: zwei Begriffe sind da zusammengezogen. Ehre und Furcht. Ich verbinde damit Angst, Abstand, Entfernung. Der Begriff erinnert mich an das, was ältere Menschen aus ihrer Kindheit erzählen: die Ehrfurcht vor dem Lehrer oder dem Pfarrer war so groß, dass man die Straßenseite wechselte, wenn einem einer von beiden begegnete. Alles wollte man, nur nicht dem Lehrer/dem Pfarrer begegnen. Ehrfurcht = Angst, Abstand, Distanz.

Damit kann ich im Blick auf Gott schlecht umgehen. Ich verstehe den Begriff Ehrfurcht ganz anders: er hat nichts mit Angst zu tun - sondern mit Respekt, Vertrauen, Achtung. Es bleibt dabei: Gott ist nicht beliebig, Gott ist nicht nur lieb - aber er liebt die Menschen und das hat er an Jesus deutlich gemacht – und daraus ergibt sich die Ehrfurcht, die ich als Respekt, Achtung, Vertrauen verstehe.

>Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg.<, rät der Prediger. Bleib an Gott dran, vertraue ihm, glaube seinem Wort, verlass dich auf ihn – immer, aber auch dann, wen das Leben durcheinandergerät und es mühsam ist.

Gar nicht einfach. Aber wer so unterwegs ist, sagt der Prediger, findet den richtigen Weg.

Gottesfurcht = Glaube, Vertrauen, Respekt, Achtung.
Jesus kommt mir in den Sinn. Im Garten Gethsemane in Jerusalem ist er. Er hat den Tod vor Augen. Er weiß um seinen Weg ans Kreuz. Und Angst hat er davor – wer versteht das nicht?  - Was macht er? Er legt seine Angst vor Gott und sagt: nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe! In diesen Worten entdecke ich Ehrfurcht, verstanden als Vertrauen und Respekt.

Gottesfurcht = Glaube, Vertrauen, Respekt, Achtung.
Ich denke an eine Frau. Ihr Leben war in den letzten Jahren von einer schweren Krankheit geprägt. Nun weiß sie, dass ihr Leben bald zu Ende geht. Sie kann sagen: „Das Gutes in meinem Leben habe ich aus Gottes Hand genommen – nun will ich auch im Schweren auf ihn vertrauen. In diesen Worten begegnet mir Ehrfurcht, verstanden als Vertrauen und Respekt. - Ob ich das so sagen könnte?

„Wer Gutes tut, wird belohnt! Wer Böses tut, wird bestraft!“ Diese Deutung des Lebens ging noch nie auf. Der Prediger aus der Bibel lädt zum Gottvertrauen ein, zum Respekt, zum Glauben. >Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg.<

Gott schenke uns, dass wir so unseren Weg gehen können: mutig und realistisch, nicht frömmelnd und ängstlich, eher voll Ehrfurcht, im Vertrauen Gottes Möglichkeiten Amen.

VATER UNSER

SEGEN
Gott segne uns und seine Welt mit seiner Gegenwart!