Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg
ANDACHT für Zuhause - Juni 2026
ERÖFFNUNG
Jesus sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr Mühe mit dem Leben habt, ich will Euch Gutes tun!
So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
IMPULS
Kennen Sie das auch? Manchmal habe ich den Eindruck, dass mich Ängste und Sorgen auffressen.
Da gibt es z.B. immer wieder Momente in meinem Leben, da mache ich mir Sorgen um meine Gesundheit.
Oder ich sorge ich um die Entwicklung in unserer Welt. Krieg, Streit, wohin man schaut, so mein Eindruck. - Irre Menschen haben so viel Macht auf sich vereint, das sie machen können, was sie wollen. – Viele schauen nur nach sich, wirtschaften in die eigene Tasche. – Die Umwelt, unser Lebensraum und der aller Kinder und Enkel in der Welt, wird ausgebeutet.
Ja, manchmal ist es so: Sorgen nehmen mich gefangen, packen mich, lassen mich nicht los. Meine Gedanken drehen sich darum und ich kann mich nur schwer davon lösen. Was wird werden, frage ich mich? Wie soll das alles gehen? Wie wollen wir weiter klarkommen?
Kennen Sie das auch?
Was tun wir?
Vielleicht schütteln wir den Kopf und verstehen die Welt nicht mehr! Sind rat- und mutlos.
Oder wir sichern uns ab: Lebensversicherung. Unfallversicherung. Auslandsunfallversicherung. Haftpflicht. Hausrat, usw. All das muss sein und ist bestimmt auch richtig und sinnig.
Was tun wir noch? Wir sparen, wen wir können. Wir legen Geld an. Wir sorgen vor. Wir versuchen, Schnäppchen zu erhaschen und möglichst billig einzukaufen.
Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, wie verrückt das ist. Denn auch wenn ich noch so viel spare, noch so gut versichert bin, noch mehr Geld habe – eine richtige Sicherheit und ein sorgenfreies Leben kann ich auf diesem Weg nicht erreichen. Ich kann mich noch so sehr bemühen, richtig glücklich werde ich nicht dadurch. Eher bleibt es doch so, dass ich ganz bei mir bleibe, mich um mich selbst und meine Gedanken drehe und mir der Blick verstellt ist für das, was wirklich wichtig ist.
Bei dem norwegischen Schriftsteller Arne Garborg (1851-1924) habe ich ganz ähnliche Gedanken gefunden. Er schreibt:
>Kaufen kann man sich:
Essen - aber keinen Appetit;
Arznei - aber keine Gesundheit;
weiche Kissen - aber keinen Schlaf;
Gelehrsamkeit - aber keinen Witz;
Glanz - aber keine Behaglichkeit;
Zerstreuung - aber keine Freude;
Bekannte - aber keine Freundschaft;
Diener - aber keine Treue;
vergnügte Tage - aber keinen Frieden.
Die Hülle all dieser Dinge kann man für Geld erlangen,
den Kern aber nicht.“
Ich finde, er hat recht. Vieles können wir kaufen. Um vieles können wir uns sorgen, uns VER-sorgen und sogar VOR-sorgen. Und das ist bestimmt auch sinnig. Aber den eigentlichen Kern, das, was das Leben wirklich lebenswert macht, das, was das Leben schön und rund macht, das ist nicht durch Sorgen, Vorsorge und Geld zu erreichen.
Das wissen wir, oder? Und trotzdem können wir schlecht raus aus der Angst. Wir können nicht ohne Sorgen leben, immer wieder werden sie uns erfassen. Wir können nicht anders. Sie gehören zu unserem Leben. Und manche von uns haben ja zu solchen Sorgen auch wirklich gute Gründe.
>Setzt nicht auf Dinge, die sowieso nicht tragen. Gebt Euer Geld nicht für Dinge aus, die euch keine letzte Sicherheit geben. Bemüht euch nicht um Angelegenheiten, die nicht weiterhelfen. Strebt nicht nach Dingen, die nicht tragen und letztlich nicht weiterhelfen.
Vielmehr: Wenn ihr Durst nach Leben habt, richtet Euch nach meinen Weisungen. Wenn Ihr Sehnsucht nach Erfüllung habt, hört auf mein Wort. Wenn Euer Leben gelingen soll, dann vertraut mir, eurem Gott. Das, was schon vor langer Zeit David zugesagt war, das werde ich an Euch erfüllen. Kommt her, hier gibt es das Leben.<, so sagt es die Bibel in Jesaja 55.
Ein großes Angebot, oder? Nach Gott sollen wir uns ausrichten.
Wir können es auch für uns hören. Manchmal nehmen uns die Sorgen gefangen. Und wir tun viel, um uns zu schützen – ich zumindest tue das. Und merke zugleich, wen ich ehrlich bin: ich bleibe im Äußeren hängen. Denn die wirklich wichtigen Dinge meines Lebens kann ich nicht machen und erst recht nicht kaufen.
Was ist das wirklich Wichtige in meinem Leben?
Liebe z.B. Menschen, die mich wertschätzen und mein Leben mit mir teilen möchten. Das kann ich nicht erzwingen. Liebe ist Geschenk, Vertrauen, Liebe ist umsonst.
Geborgenheit kann ich nicht machen. Auch sie wird mir von anderen Menschen geschenkt und auch ich kann sie nur anderen Menschen schenken.
Freundschaft kann ich mir nicht kaufen. In sie muss ich investieren, mich einbringen und dann wird sie mir entgegengebracht.
Die Luft, die ich atme, diesen Urstoff meines Lebens, kann ich nicht machen oder kaufen. Die Luft, die ich atme, ist ein großes Schöpfungsgeschenk an uns, jeder Atemzug.
Meine Gesundheit. Sicher, vielleicht kann ich sie beeinflussen. Aber auch wenn ich ganzgesund lebe, mich bewusst ernähre, viel schlafe und mich bewege, bin ich nicht vor Krankheiten geschützt. Gesundheit ist ein Geschenk, und keiner kann mir Gesundheit garantieren.
Dass ich mein Leben als sinnvoll empfinde, dass ich gerne lebe und darauf vertraue – auch das ist nicht selbstverständlich, sondern Geschenk.
Ich glaube, wenn wir diesen Blick auf unser Leben wagen und zulassen, eben dass alles Wesentliche des Lebens Geschenk ist, dann ändert sich die Sichtweise auf die Dinge.
Gott kennt uns und weiß, dass viele von uns (und ich ganz sicher) darin ein Meister, eine Meisterin sind, im „sich Sorgen machen“.
Gott kennt uns und unsere Sorgen und sie haben ihr Recht und ihren Platz. Aber –Gott sei Dank!- sie müssen uns nicht gefangen nehmen. Sie sind Teil unseres Lebens. Aber sie bestimmen nicht über unseren Wert oder die Freude am Leben.
Und im 1.Petrusbrief ermutigt uns der Apostel: „All eure Sorgen werft auf Gott, denn er sorgt für euch!“ Wörtlich übersetzt heißt es: „Alles, was euch zu zerreißen droht, das werft in Gottes Hand. Denn ihr liegt Gott am Herzen!“
Kann man es schöner sagen? Wir liegen Gott am Herzen. Gott, ganz nah, mit Sorgen und Fragen, Ängsten und Nöten, eingeladen zum Vertrauen. Wir liegen Gott am Herzen – was für ein Bild. Amen.
VATER UNSER
SEGEN
Gott segne diesen Tag dn seine Welt. Amen.
Gott segne deine weite Welt mit Deiner Liebe. Amen.
