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(Die Andacht schrieb Pfarrerin Gudrun Ostheim, Sipperhausen)

Andacht für Zuhause
am 1. Sonntag nach Epiphanias am 10.01.2021

Einstimmung
Zur Ruhe kommen, eine Kerze entzünden, ein Musikstück hören, einen Liedvers summen oder singen.

Ein neues Jahr hat begonnen, von dem man nur hoffen kann, möge es besser werden als das Vergangene. Und möge es ein Jahr der Barmherzigkeit sein, wie es uns die Jahreslosung vorgibt: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Wir werden geliebt, gewürdigt, Gott wendet sich uns zu. Das ist der Anfang von allem. So ist es auch der Anfang dieses Jahres. Mit diesen Worten begrüßt uns die Bischöfin zum Jahresbeginn 2021.
Weihnachtsfest und Epiphanias liegen hinter uns und wir feiern heute den ersten Sonntag nach Epiphanias, dem Fest der Erscheinung. Noch leuchtet der Stern, noch ist der Glanz der weihnachtlichen Festzeit gegenwärtig, auch wenn hier und da der Alltag wieder eingekehrt ist. Lasst uns Andacht halten und unsere Gedanken und Sinne sammeln im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  

Lied EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern
1. Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen;
lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben,
hoch und sehr prächtig erhaben.

Gebet
Gott, dein Stern hat die Weisen zur Krippe geführt, zur Quelle des Lichtes.
Führe auch uns durch dein Wort zu dem, der hineinleuchtet in unsere Dunkelheiten, zu Jesus Christus, dem Licht der Welt.
So erleuchtet lass uns Licht werden für andere. Um seinetwillen erhöre uns. Amen.

Römer 12, 1-8
12
Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
3
Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. 4Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied.
6Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. 8Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.

Impuls
Das sei euer vernünftiger Gottesdienst, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist, lesen wir am Anfang des Textes.
Es gibt wohl beides, Gottesdienst im Alltag der Welt und Gottesdienst Sonntag morgens in der Kirche.
Dabei fällt mir ein, wie über manche geredet wird, die ganz regelmäßig Sonntag morgens in die Kirche gehen. Sie hätten es nötig, sagen die leisen spottenden Stimmen. Auf ihre Lebensführung wird zuweilen besonders kritisch geblickt.

Offenbar soll das deckungsgleich sein: die Art, wie ich lebe und handle und Gott die Ehre geben im Singen und Beten mit anderen. Vermutlich keine ungerechtfertigte Erwartung. So sollte es sein, bestenfalls.
Ob wir das immer leisten können, sei dahingestellt. Auch dort sind wir gewiss immer wieder auf Vergebung angewiesen.
Aber dass Menschen, ob Christ oder Nichtchrist, ein feines Gespür dafür haben, was glaubwürdig ist und was nicht, davon bin ich überzeugt.

Und dass wir Gott auch dienen in der Backstube oder in der Fleischerei, am Krankenbett oder beim Versorgen der Tiere, beim freundlichen Wort an der Supermarktkasse oder beim Schneiden von Feldsalat für frische Ware auf unserem Tisch, das hat doch Paulus damals schon sehr prägnant formuliert.
Immer dort, wo wir etwas für uns und andere tun und das mit Hingabe und Leidenschaft, mit Erbarmen und Freude, mit Eifer und Demut, da feiern wir Gottesdienst im Alltag der Welt. ,,Mach doch deine Sache mit Vernunft“, ermahnen wir uns umgangssprachlich, wenn uns die Sorgfalt und die Zuneigung abhanden zu kommen scheint. Behalte dein Gegenüber im Blick und prüfe, was gut, wohlgefällig und vollkommen ist.
Keiner kann alles und erst recht nicht allein. Es sind viele Gaben, die zusammen das Ganze ausmachen.

Sich daran zu erinnern, kann helfen, sich nicht immer für den Größten und die Wichtigste zu halten.

Also feiern wir auch in diesen Zeiten Gottesdienste, nicht nur als Andacht Zuhause und nicht nur mit Abstand und Anmeldung in den Kirchen, sondern durch unsere guten Ideen im Umgang miteinander, wenn die Menschen in einem Dorf  füreinander kleine Geschenke machen und sich damit am Nikolaustag überraschen oder wenn einer auf seinem Hof die ausgedienten Weihnachtsbäume abstellen lässt, um sie mit seinem Fahrzeug für alle zur Deponie zu bringen und dabei eine Spendendose für die Feuerwehr am Ort aufstellt, die das in diesem Jahr nicht machen darf.
Das sind auch kleine schöne Andachten, bei denen wir an Gott und die Menschen denken und ihm die Ehre geben. Dass uns das nicht verloren geht, daran läge mir. Dann könnte auch das neu begonnene ein Jahr der Barmherzigkeit werden. Das wiederum sollte Gott gefallen.  Amen.

Gebet
Gott,  du bist die Kraft, die das Leben erschafft, im Verborgenen lässt du es wachsen auf leise, unbeirrbare Weise.
Wir bitten dich: Entfalte, was in uns steckt. Gib uns Augen, die Freundschaft pflanzen, Hände, die Liebe säen, Füße, die einen Weg zum Frieden suchen.
Nimm die Ungeduld von uns, wenn mir meinen, es müsse schneller gehen.
Schick das Verzagen fort, das befürchten lässt, es werde nichts reifen.
Gieß deinen Segen aus, lass durch uns dein Reich wachsen mitten in der Welt. Amen.

Vater Unser

EG 74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht
1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.