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(Die Andacht schrieb Pfarrerin Gabriele Scheid aus Berge)

Andacht für Zuhause zum 29.11.2020
1.Sonntag im Advent

EINSTIMMUNG:
Zur Ruhe kommen, vielleicht eine Kerze anzünden, ein Musikstück hören, einen Liedvers summen oder singen.

Lied:  EG 1
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt. Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Psalm 24 (EG 712)
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Wer ist der König der Ehre?
Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Wer ist der König der Ehre? 
Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.


Predigttext Sacharja 9, 9-10

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

IMPULS
Au weia. Wem ist denn schon zum Jubeln, zum Jauchzen zumute? Nicht in diesem Jahr.
Ich glaube, soweit ich zurückblicken kann, gab es keinen Advent, in dem ich wirklich das Gefühl von Fastenzeit hatte. Denn das ist er ja, der Advent. Eine Fastenzeit. Eine Zeit der Umkehr. Eine Zeit der Vorbereitung.
Jetzt ist es so geworden und keiner hätte jemals mit so was gerechnet. Es wird ein stiller Advent. Ein wirklich ganz anderer Advent.

Wir fasten alle. Kontakt-fasten. Mobilität-fasten. Besuch-fasten. Feiern-fasten. Party-fasten. Sport-fasten. Chor-fasten. Usw….
Jetzt haben wir den Salat. Es ist angerichtet. Ob´s uns schmeckt oder nicht.

Eins habe ich gelernt: jammern in der Dauerschleife hilft nicht weiter. Es ist, wie es ist. Und dann nehme ich diesen Advent 2020 ebenso, wie er ist.
Und wenn es dann so ist, dann gehe ich diesen Advents-Weg eben stiller, langsamer. Und höre, lausche auf die alten Worte, die hineindringen in meine Jetzt-Zeit:

Siehe, dein König kommt zu dir.
Er kommt. Ich muss mich ja gar nicht beeilen. Ich darf warten.
Ein König. Ein Gerechter. Das ist gut. Es gibt ja viel zu viel Ungerechtigkeit.

Ein Helfer. Da heißt es im Hebräischen eigentlich „einer, dem geholfen wurde“. Passt das nicht zu einem König? Zu diesem König? Aber vielleicht kann ja einer, dem geholfen wurde, viel besser helfen. Denn wem selbst geholfen wurde, der weiß, was gebraucht wird.
Und er ist doch eh ein König, der nicht so ganz ins Schema passt.

Arm ist er. Auf einem Esel reitet er. Auf einem Füllen. Dem Kind der Eselin. So ein König ist das. Will ich auf den warten?

Und dann meldet sich Gott zu Wort. Ich, sagt er. Er sagt, was er, Gott, tun will: „Ich, Gott, ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.“
Es ist dieses Unerwartete. Dieses manchmal so Paradoxe. Erst wird von dem König gesprochen, der armselig daherkommt und doch gerecht ist. Dann spricht Gott als Mächtiger im Kampf. Wagen vernichten. Kriegsbogen zerbrechen.

Will ich auf den warten? So ein Mächtiger, so ein Kämpfender macht mir auch Angst.
Auf was warte ich denn? Auf wen will ich denn warten?
Auf einen, der Frieden bringt. So richtig Frieden. So wie es das hebräische Schalom meint. Ganz sein. Heil sein. Vollständig sein.
Nee. Stimmt nicht so ganz.

Es meint: ganz werden, heil werden, vollständig werden. Es ist ja ein Weg. Ein Prozess. So wird es von einem Rabbiner erklärt.

Und dann heißt es weiter bei Sacharja von dem König, der kommt:
Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Wie gut. Das also ist das Ziel dieses Königs. Dieser Schalom. Dieser Frieden auch zwischen den Völkern. Den Religionen. Ein Frieden, der sich ausspannt. Wie ein Bogen. Über alle Grenzen hinweg. Der kein Ende hat. Endlich.

Ich verstehe das noch nicht so ganz. Ich kriege das nicht alles so zusammen. Diese vielen Facetten dessen, der da kommt.

Ich bin froh, dass ich noch Zeit habe. Zum Hören. Zum Nachsinnen. Zum Vorbereiten. Zum Aufräumen in mir. Zum Platz machen für den, der kommt. Ich ahne, dass er mich dann trotzdem wieder überraschen wird – dieser merk-würdige König. Oder „degradiert“ als Fürst – nämlich Friedefürst.  Von Königen gesucht. In einer Krippe gefunden. Bejubelt. Verurteilt. Am Kreuz geendet. Und auch das hat er nicht so stehen lassen.

Und deshalb singe ich jetzt einfach – alleine darf ich das ja Ja...

Und ich singe jetzt ganz laut. Mittenhinein in dieses Durcheinander. Mittenhinein in die Ängste und Sorgen. In alle Ungewissheit. Ich singe dieses wunderbare Adventslied, das fast schon weihnachtlich jubelt und den begrüßt, der zu mir und zu dir kommt.

Lied: EG 13 Tochter Zion
Tochter Zion
, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

GEBET (Anton Rotzetter):
Komm, ja komm mein Gott. Komm mit deinem Feuer und entflamme mich.
Komm mit deinem Atem und belebe mich.
Komm mit Deiner Kraft und richte mich auf.
Komm mit deiner Liebe und begeistere mich.
Komm ja komm, Du Gott der Welt.
Komm in vielen Propheten, die alles in Frage stellen und niemanden in Ruhe lassen.
Komm in Jesus Christus der die Wunden heilt und alles lebendig macht
Komm in allen Menschen, die lieben und Frieden suchen.
Komm in allen Dingen, die mir begegnen und doch fremd sind.
Komm ja komm, mein Gott, und mach diese Welt zu Deiner Wohnung.

Wir sind einen Moment still vor Gott.

VATER unser im Himmel…

SEGEN
Es segne und behüte dich Gott, der All-Mächtige und der All-Barmherzige Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Pfarrerin Gabriele Scheid, Berge)