Aktuelle Seite: Startseite Besondere Andachten

(Die Andacht schrieb Pfarrerin Anke Zimmermann aus Homberg.)

 

Andacht für Zuhause zum 2. Sonntag in der Passionszeit (28.02.2021)
Sonntag Reminiscere: Erinnere dich, Gott, an deine Barmherzigkeit


Einstimmung
Zur Ruhe kommen, vielleicht eine Kerze anzünden, ein Musikstück hören, einen Liedvers summen oder singen. In Gottes Namen bin ich jetzt hier, alleine und verbunden mit anderen. In Gottes Hand lege ich meine Hand und komme zur Ruhe. In Gottes Herz lege ich mein Herz mit allem, was mich bewegt. So richte ich mich aus nach Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Lied EG 365. 1+3+8 Von Gott will ich nicht lassen
1. Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand; den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.

3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid.
Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’ s, wie’s ihm gefällt!

8. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad.
Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis!

Psalmgebet
Wenn uns alles gegen den Strich geht, wenn uns nichts gelingen will, wenn wir uns verrannt haben, dann vertrauen wir doch auf deine Barmherzigkeit, du unser Gott, manchmal sind wir wie Durcheinandergewirbelte, wie Taumelnde, wie Blinde, uns fehlt die Orientierung, dann vertrauen wir doch auf deine Barmherzigkeit, du, unser Gott, du kannst aus der Dunkelheit Licht machen, du kannst uns einen Weg zeigen, den wir gut gehen können. Wir vertrauen dir, denn von alters her preisen Menschen deine Barmherzigkeit.

Gemeinsam sprechen wir:
„Ehr sei dem Vater und dem Sohn …“

Lesung: Römer 5. 1-5 (aus Hoffnung für alle)
Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen, auf das wir uns jetzt gründen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz. Doch nicht nur dafür sind wir dankbar. Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht geduldig, Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum stärkt unsere Hoffnung. Diese Hoffnung aber geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.

   
Lied EGplus 41. 1+2 Wohl denen, die noch träumen
1. Wohl denen, die noch träumen in dieser schweren Zeit. Wir wollen nicht versäumen, was ihnen Kraft verleiht. Lass uns in ihren Spuren gehen und schenk uns Phantasie, die Welt im Licht zu sehn.
2. Die noch Gefühle zeigen und gegen Unrecht sind, die an der Welt noch leiden und weinen wie ein Kind, die, guter Gott , lass nicht allein. Wir brauchen ihre Wärme. Lass sie uns Vorbild sein.

Impuls
Liebe Leserin, lieber Leser,
in der Sendung mit der Maus wurden Kinder einmal aufgefordert, ungewöhnliche Ortsschilder in ihrer Nähe zu fotografieren und die Bilder an den Sender zu schicken. Ich habe über das Ergebnis nicht schlecht gestaunt. Es gibt wirklich interessante, komische und lustige Orte: Gottstreu, Afrika, Gewissensruh, Himmelreich. Im Odenwald, im Gebirge da gibt es einen Ort, der „Not Gottes“ heißt. An diesem Ort stand eine der ältesten christlichen Kirchen der Umgebung aus dem 13. Jahrhundert.
„Not Gottes“ – das ist eine ungewöhnliche Bezeichnung für einen Ort. Wie klingt das in Ihren Ohren? Können Sie sich vorstellen, dass Gott in Not ist? Es ist eine sehr menschliche Vorstellung von Gott. Und es stellt sich die Frage, ob es angemessen ist, so menschlich von Gott zu denken und zu sprechen.

Aber es gibt Texte in der Bibel, die das nahe legen. Es gibt Texte, in denen uns Gott wie ein Mensch begegnet. Diese Texte sind als Gleichnisse zu verstehen. Und so ein Text ist der Predigttext für diesen Sonntag. In ihm begegnet uns Gott wie ein Mensch, der in Not ist. Gott ist in Not im Hinblick auf seinen Weinberg. Darüber hat Jesaja ein Lied verfasst und das geht so:

Jesaja 5. 1-7 (Gute Nachricht)
Hört mir zu! Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg:
Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land, dort hackt ich den Boden mit eigener Hand, ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf, baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf. Und süße Trauben erhofft ich zu Recht, doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht.
Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda, was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da?
Die Trauben sind sauer – entscheidet doch ihr: War die Pflege zu schlecht? Liegt die Schuld denn bei mir?
Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt: Weg reiß ich die Hecke, als Schutz einst gesetzt; zum Weiden solln Schafe und Rinder hinein!
Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein!
Zertrampelnden Füßen geb ich ihn preis,schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß!
Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen! Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!
Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten! Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr! Er hoffte auf Rechtsspruch – und erntete Rechtsbruch, statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!

Gott ist in Not im Hinblick auf seinen Weinberg. Über Jahre hat er in gehegt und gepflegt. Er hat wirklich alles getan, damit er gute Frucht bringen kann. Aber dieser Weinberg enttäuscht alle Erwartungen. Er bringt schlechte Frucht, nur kleine, saure Trauben. Oh weh!

Der Weinbergbesitzer ist wütend und richtig zornig. Er beschließt in seiner Not, den Weinberg nicht mehr weiter zu pflegen. Soll der doch sehen, wo er bleibt. Gott ist enttäuscht und wütend, verständlicher Weise, würde man sagen.

Das Bild vom Weinberg kommt in der Bibel häufiger vor. Die Menschen kannten es gut und viele wussten auch von der Mühe, die ein Weinberg machen kann. Das Bild vom Weinberg ist ein Gleichnis und das werden viele schnell verstanden haben. Der Weinberg und der Weinbergbesitzer, die stehen für Gott und für die Menschen. Es geht um ihre Beziehung. Im Alten Testament, in der Hebräischen Bibel, da geht es um die Beziehung Gottes zu seinem geliebten Volk Israel. Es liegt offensichtlich vieles im Argen. Gott ist zornig und verzweifelt, weil die Menschen nicht nach seinen Geboten leben, sondern einfach tun, was sie wollen.

Sie brechen das Recht und sie schaden der Gemeinschaft. Im Weinberglied des Propheten Jesaja begegnet uns eine harsche Gesellschaftskritik. Diejenigen, die Unrecht tun, das sind die mächtigen Menschen aus der Obersicht der Gesellschaft. Sie sind gierig und weiten ihren Landbesitz immer mehr aus. Kleinbauern und Bäuerinnen werden dadurch verdrängt. Sie geraten in Abhängigkeit und werden in den Schuldenfalle getrieben.

Gott durchlebt eine Achterbahn der Gefühle: so viel Liebe und Hoffnung auf der einen Seite und so viel Enttäuschung und Wut auf der anderen Seite. Es ist kaum zum Aushalten. Gott ist in Not. Er ist gekränkt und reagiert harsch: Dem Weinberg entzieht er seinen Schutz und seine Zuwendung. Der Weinberg wird sich selbst überlassen, fertig, aus.

Das ist schon ein ungewohntes Bild von Gott, so wütend, so gekränkt, so ohnmächtig. Lieber stellen wir uns Gott allmächtig und groß vor, weit erhaben über solche menschlichen Gefühle. Doch das Weinberglied zeigt uns Gott anders. Es erzählt auch von den Schattenseiten seiner Liebe, von Nichtverstehen, Ärger und Wut. Gott ist verletzlich und gekränkt. Er ist offensichtlich mit seinem Latein am Ende. Gott ist in Not, er weiß nicht weiter. Gibt Gott auf? Was ist los?

Der Text fordert uns heraus. Wie passt alles nur zusammen?
Ich denke, dass die Liebe der Schlüssel ist: die Liebe in ihrer ganzen Vielfalt und Tiefe, die Liebe in ihrer Ernsthaftigkeit und Kraft. Aus Liebe zu uns und zu seiner ganzen Schöpfung sagt Gott:
„Ich will es nicht mehr mitansehen, dass täglich Menschen hungern und dass die Reichen immer reicher werden.“

Aus Liebe sagt Gott:
„Ich kann es nicht mehr aushalten, dass Millionen meiner Kinder nicht das Nötigste zu essen haben und auf der anderen Seite Lebensmittel tonnenweise vernichtet und weggeworfen werden.“

Aus Liebe sagt Gott:
„Ich will es nicht mehr mitansehen, wie ihr Menschen mit meiner guten Schöpfung umgeht, Müll ohne Ende produziert, Bodenschätze ausbeutet und dem Klima zusetzt.“

Aus Liebe sagt Gott:
„Ich kann es kaum aushalten, wie ihr miteinander umgeht, wie viel Hass im Netz geteilt wird, wie viel Vorurteile gegenüber Fremden da sind, wie gleichgültig und selbstbezogen ihr oft seid.“

Das ist nicht einfach zu hören. Das Weinberglied ist ein Stolperstein. Es stellt uns in Frage, ob und wie wir heute nach Gottes Geboten leben. Es öffnet uns die Augen für das, was nicht gut ist. Und zugleich ist und bleibt es auch ein Liebeslied. Das entscheidende ist die Liebe Gottes zu uns Menschen und zu seiner Schöpfung. Sie fordert uns heraus, aber sie ermutigt uns auch, so zu leben, wie es Gott gefällt, im Alltag, in vielen kleinen Schritten und in immer wieder neuen Anfängen.

Das Weinberglied fordert uns heraus. Gott ist enttäuscht und wütend. Gott ist in Not. Ist das das Ende? Das Ende des Liedes ja, aber nicht das Ende der Geschichte Gottes mit uns. Und ich glaube, das hat auch mit dem Namen des Sonntages zu tun. Am Ende steht die Bitte: Erinnere dich, Gott, an deine große Barmherzigkeit mit uns Menschen. Reminiscere!  AMEN


Lied EG 610. 1+2+4 Herr deine Liebe

Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.
Frei sind wir da, zu wohnen und zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.

Kehrvers: Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann.
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.

4. Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien, wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da.
Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, so weit, wie deine Liebe uns ergreift.


Fürbittengebet

Dein Weinberg, Gott, ist die ganze Welt. Hab´ Erbarmen mit denen, die sich mühen und abkämpfen, dass die Erde bewohnbar bleibt. Stärke alle Frauen und Männer, die bei den Vereinten Nationen arbeiten, bei „Ärzte ohne Grenzen“, bei amnestiy international, die sich engagieren bei Fridays for future. Hilf ihnen und ermutige auch uns immer wieder, deine Schöpfung zu bewahren.

Dein Weinberg, Gott, ist die ganze Christenheit.
Hab´ erbarmen mit allen, die sich für die Sache Jesu einsetzen in den Gemeinden, in der Diakonie, in Seelsorge, im Unterricht, in Leitung und Verwaltung. Hilfe ihnen und uns allen, das Evangelium weiterzugeben. Schütze die Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden und um ihr Leben fürchten müssen.

Dein Weinberg, Gott, ist unser Dorf, unsere Stadt.
Hab´ Erbarmen mit allen, die Verantwortung übernehmen in den Vereinen und Parteien, bei der Feuerwehr und im Ortsbeirat. Ermutige sie und uns alle, dass das Zusammenleben gelingen kann, dass wir sehen, wer Hilfe braucht und dass wir miteinander großzügig sein können.

Gott, sieh mit Erbarmen auf unser Bemühen. Vergib uns, wo wir einander und wo wir dir etwas schuldig bleiben. Hab´ Geduld mit uns, Gott.

Vater unser im Himmel …

Segen
Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir,und der Herr sei dir gnädig.
Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht, tiefer Friede begleite dich. (EGplus 31)