Aktuelle Seite: Startseite Besondere Andachten

Die Andacht schrieb die Kollegin Pfarrerin Doreen Göbel aus Wernswig (Tel.: 05684-7267)

 

Himmelfahrtstag (21. Mai 2020)

Stille - Kerze entzünden

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Heute ist Feiertag: Christi Himmelfahrt!
Gott füllt die Welt und alles, was ist.
Gott erfülle auch uns mit seiner Kraft und seinem Segen, jetzt wo wir zusammen sind.
Vereint unter seinem weiten Himmel.
Jeder und jede von uns. Im Wohnzimmer, auf dem Balkon, im Garten.
Gott komme uns nahe kommen in Worten und Liedern.

Gebet
Gott. Ich bin hier. Ich bete zu Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Genau so.
Und ich bringe Dir alles, was ist. -Stille- Amen.

EG 622, 1-3
1. Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen, eine Handbreit rechts und links.
Du bist mitten drinnen. Du bist mitten drinnen.

2. Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so tief verborgen, einen Sprung aus dir heraus,
aus dem Haus der Sorgen, aus dem Haus der Sorgen.

3. Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so hoch da oben, sag doch ja zu dir und mir,
du bist aufgehoben, du bist aufgehoben.

 

Psalm 36
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Lesung zum Festtag Christi Himmelfahrt: Apostelgeschichte 1, 3-11 (Basisbibel)
Nach seinem Leiden zeigte der Auferstandene sich ihnen immer wieder und bewies ihnen so, dass er lebt. Vierzig Tage lang erschien er ihnen und sprach zu ihnen über das Reich Gottes. Einmal, als Jesus mit den Aposteln zusammensaß, schärfte er ihnen ein: »Verlasst Jerusalem nicht! Wartet darauf, dass in Erfüllung geht, was der Vater versprochen hat. Ihr habt es ja schon von mir gehört: Johannes hat mit Wasser getauft. Aber ihr werdet in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.«
Da fragten ihn die Versammelten: »Herr, stellst du dann das Reich für Israel wieder her?«
Jesus antwortete ihnen:»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen. Mein Vater allein hat sie in seiner Vollmacht festgelegt. Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr Kraft empfangen. Dann werdet ihr meine Zeugen sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde.«
Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben. Eine Wolke nahm ihn auf, sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten. Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel, während er verschwand.
Und sieh doch: Da standen zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen. Die sagten: »Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus wurde aus eurer Mitte in den Himmel aufgenommen. Er wird auf dieselbe Weise wiederkommen, wie er vor euren Augen zum Himmel weggegangen ist.«

 

Impuls
Da stehen die Jünger noch und starren in den Himmel. Können das alles gar nicht begreifen. Ihr Leben ist in den letzten Wochen völlig durcheinander geraten. Nichts mehr so wie zuvor. Jesus gewaltsamer Tod. Dann die erschreckende Nachricht am Ostermorgen: Das Grab ist leer. Und während sie noch nicht fassen konnten, was die Frauen ihnen von dem Engel und seiner Botschaft erzählten, da stand Jesus mitten unter ihnen. Auferstanden von den Toten: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“. 40 Tage hatte er sie nun begleitet. In ihrem veränderten Leben, mit ihren Zweifeln. Und dann erneuter Abschied. „Ich gehöre nicht mehr hierher. Ich gehe zu meinem Vater in den Himmel.“ Die Jünger versuchten noch einmal alles festzuhalten: Bricht dann deine Herrschaft an? Holst du uns jetzt den Himmel auf Erden?

Doch noch vor ihren Augen wird Jesus in den Himmel gehoben. Bald schon können sie ihn nicht mehr sehen. Und so stehen sie da. Starren in die Weite des Himmels. Wie gelähmt. Trauen sich nicht den Blick zu senken. Vielleicht kehrt er doch zurück? Damit alles wieder so wird wie früher? Vertrautes Leben, miteinander reden und lachen, Gemeinschaft ohne Angst und Unsicherheit. Sie erinnern sich an seine Worte. Sie wissen: Jesus ist bei Gott. Noch ist nicht die Zeit, dass er wiederkommt.

Aber das Herz tut sich schwer mit Veränderungen, mag nicht loslassen, was es liebt, mag sich nicht so leicht abfinden mit den unabänderlichen Dingen.

In den letzten Wochen haben wir das alle erlebt. Für jeden und jede hat der neue Virus das Leben verändert. Enkel und Großeltern durften sich nicht sehen, Schulen, Kindergarten, Vereine, Cafés - alles geschlossen. Selbst unsere Kirchen. Manche haben die neue Ruhe für sich entdeckt, manche lässt die Angst vor der unbestimmten Zukunft nicht schlafen. Einige haben Sorge, wie es finanziell weitergeht, einige entdecken neue kreative Wege - auch beruflich. Manche sind traurig über die unabänderliche Situation - das ist ein Virus, den bekommt man auch nicht einfach so in den Griff. Manche suchen einen Schuldigen: die Politiker, die Wirtschaftsbosse. Manche sagen: die Regierung hätte viel früher reagieren müssen. Und sagen gleichzeitig: von der Regierung lasse ich mir gar nichts vorschreiben…

Aber gleichwie wir in unserem veränderten Leben angekommen sind: nichts ist mehr wie vorher. Und wird lange nicht mehr so sein. Das kennt das Herz auch aus Zeiten der Trauer, der Krankheit, der Arbeitslosigkeit, der Beziehungsabbrüche. Unser Leben hat sich verändert. Und wir müssen uns darin zurechtfinden. Ohne den geliebten Menschen, die Routine, den vertrauten Alltag, liebgewonnene Gewohnheiten

Und noch immer blicken die Jünger in den weiten Himmel. Ratlos? Zukunft ungewiss. Es hätte alles so schön werden können, wenn er geblieben wäre. Und ihnen jeden Tag gesagt hätte, wie es nun weitergeht. Ihnen Sicherheit gegeben. Daran müssen sie denken als sie in den blauen Himmel blicken. Ein paar Vögel ziehen über ihre Köpfe hinweg, manch weiße Wolke ist zu sehen am blauen Himmel. Doch kein Jesus mehr.

Aber dann sind da diese Stimmen, die sie zurück auf die Erde holen. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Zwei Männer in weißen Gewändern -vielleicht Engel, Boten Gottes?- sie holen die Jünger zurück auf die Erde. Ins hier und jetzt. Ins Leben. „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Was hängt ihr der Vergangenheit nach? Niemand dreht die Zeit zurück. Was hilft es Wolkenschlösser zu bauen? Ihr lebt. Jetzt und hier. Gott hat euch ein Leben geschenkt- das gilt es zu gestalten. Ihr habt einen Auftrag. Erinnert euch an Jesu Worte: „Lauft nicht einfach davon. Bleibt zusammen in Jerusalem. Auch wenn ich jetzt gehe, ich vergesse euch nicht. Gott, unser Vater wird euch neue Kraft schicken. Eine Kraft, die euch weitermachen lässt. Ihr werdet neuen Mut haben. Ihr werdet in die Welt gehen und allen von Gott zu erzählen und von dem, was ihr mit mir, seinem Sohn Jesus Christus erlebt habt. Und eure Botschaft wird von Jerusalem aus in die ganze Welt getragen werden und zu neuer Hoffnung und Zuversicht in dieser Welt werden. “

Jesus hat sie nicht auf’s Jenseits vertröstet. Nicht zum Warten auf die Ewigkeit. Jesus setzt sie in Bewegung. Hier und jetzt.

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Gottes Boten lenken den Blick vom Himmel zu uns hier auf der Erde. Es geht nicht darum, dass Jesus nun weg und im Himmel ist, sondern darum, dass er da war, hier bei uns auf der Erde. Das verändert alles - Himmel und Erde. Gott war als Mensch auf der Erde. Ganz und gar. Mit Haut und Haar. Das macht den Himmel menschlicher und die Erde himmlischer. Das bleibt für alle Ewigkeit: Jesu Spuren und sein Geist.

„Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen,“ hat Jesus versprochen. Neue Kraft. Uns allen. In einer Welt, in der sich so vieles verändert. Neue Kraft von Gott: Das hilft gegen die Angst. Wir sind nicht hilflos ausgeliefert. Wir können neue Wege gehen. Miteinander und in Achtung vor jedem Leben. Gottes Kraft ist stärker als lähmende Angst und Zweifel. Und wo die Angst schwindet, bekommt die Sehnsucht Raum. Damit fängt alles an. Damals in Jerusalem. Die Jünger verlassen den Berg. Und in 10 Tagen werden wir feiern, dass der Geist Gottes sie mit Kraft erfüllt und ihre Worte laut werden. Das Evangelium in die ganze Welt getragen wird. Die Jünger folgen ihrem Auftrag. Sie wissen plötzlich: Das schaffen wir. Ziehen los, sammeln Menschen und gründen die erste Kirche.

Mit der Sehnsucht, dass es weitergeht, fängt es an. Und damit, dass dich vielleicht jemand sanft wachrüttelt. Ein guter Freund, dein Kind, ein Engel. „Was starrst du in den Himmel? Was verharrst du in der Vergangenheit? Lebe!“

„Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ sagt Jesus. Es gibt Momente, da spüren wir das gut. In diesen Momenten voll Liebe, Vertrauen, Nähe, Frieden. Wenn die Sonne durch das Blätterdach dringt, der Kaffee duftet, die Kinder lachend durch den Garten rennen, der Enkel dich anruft: „Hallo Oma, wie geht es dir?“

Mir hilft das, den Mut nicht zu verlieren, wenn ich mir bewusst mache: Ich bin nicht allein. Ich bin Teil dieser Welt. Ich bin ein Menschenkind Gottes. Und er schenkt mir die Kraft weiterzumachen.

Vielleicht sogar noch einmal ganz neu zu beginnen: mit meinem Alltag, mit meinen Beziehungen, mit meiner Sehnsucht im Herzen.

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ liebe Himmelfahrtsgemeinde. Schaut einander in die Augen. Bleibt der Erde treu! Folgt eurer Sehnsucht! Zeit und Stunde sind jetzt. Denn uns allen ist die Kraft Gottes gegeben. Himmel und Erde stehen uns offen. Amen


EG Plus 75
Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu...

Kehrvers: da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu...
Kehrvers: da berühren sich…

Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu...
Kehrvers: da berühren sich…


Fürbitten
Jesus. Hier sind wir. Du hast gesagt: Wir sind mit dir verbunden. Wir sind erlöst. Wir wollen das glauben. Hilf uns dabei. Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie gerade? - Stille.
Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Liebhaben, vom Es-richtig-Machen. - Stille.
Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Zuhause, irgendwo auf dem Meer. Und an die, die für sie da sind. - Stille.
Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt. - Stille

Ein Wort, Gott, von dir gegeben, tut Herz und Seele gut.
Kaum denkbar die Güte, von der wir leben, gegen alle Angst macht sie uns Mut! (nach freiTöne 90, Vers 3)

Vater unser im Himmel…

   

Segen

Wie ein frischer Lufthauch mich erfrischt, wenn ich erschöpft und matt bin,
wie Rückenwind mich beflügelt, wenn meine Glieder lahm werden,
wie Gegenwind mich zweifeln lässt, ob der eingeschlagene Weg noch der richtige ist,
so, Gott, schicke mir deinen Geist.

Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.                                          

(Kerze auslöschen)