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Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg



Andacht für Zuhause, Ostern 2026

ERÖFFNUNG
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle!
Herr, segne mir diee Andacht. Amen.

GEBET
Gott, wir freuen uns über Ostern. Wir freuen uns darüber, dass der Stein vom Grab gewälzt ist. Jesus Christus lebt! Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Ostern geschieht hinein in unser Leben, unseren Alltag.

Gott, darum lass auch über unserm Dunkel den Glanz deines Lichtes aufgehen, so wie dein Licht und der helle Tag heute Morgen über allen Gräbern dieser Welt aufgegangen sind. Das bitten wir dich im Namen Jesu. Amen.


DENKANSTOß
Wir feiern Ostern! Das wichtigste Fest für uns, die wir uns Christinnen und Christen nennen.
Und wissen Sie was? Man denkt es kaum: Aber es ist noch wichtiger als Weihnachten – der Geburt Jesu. Denn geboren sind wir ja alle – auferstanden vom Tod ist aber bisher nur Jesus – so zumindest erzählt es uns de Bibel.

Und deswegen ist Ostern so wichtig, weil hier mit dem Zeugnis von der Auferstehung Jesu von Toten alles auf den Kopf gestellt wird. Unerhörtes wird erzählt, gegen alle unsere Erfahrung, völlig unglaubwürdig. Schwer zu glauben…

Und diese Botschaft ist so stark, das sei Menschen bewegt – seit gut 2000 Jahren. Bis heute.

Wir feiern Ostern – Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Das ist die gute, frohe und neue Botschaft. Die Botschaft, die uns Hoffnung geben möchte.

Das ist die Botschaft, die mehr wiegt als die zusätzlichen, (klar) auch schönen Feiertage und ausreichend Hühnereier in den Regalen, die zu Ostereiern gefärbt werden. 

Und diese Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod ereignet sich im mitten im Alltag von Menschen. Überraschend. Ohne Vorankündigung. Auch ohne Feiertag und Osterei. So erzählen es die Evangelien in der Bibel.

Maria war schon einmal an diesem frühen Morgen, noch im Dunkel der Nacht, am Grab gewesen. Sie musste dorthin, musste ihrem Meister ein letztes Gutes tun und seinen Leib salben.
Aber dann das – die Überraschung: der Stein war fort und das Grab leer! Namenlose Panik hatte sie erfasst und sie war zu den anderen zurückgelaufen. Auch sie waren aufgeschreckt, und hatten ihn nicht gefunden.

Und dann erzählt die Bibel das:
>>11 Inzwischen war auch Maria aus Magdala zum Grab zurückgekehrt und blieb voller Trauer davor stehen. Weinend schaute sie in die Kammer 12 und sah zwei weiß gekleidete Engel an der Stelle sitzen, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte; einen am Kopfende, den anderen am Fußende.
13 »Warum weinst du?«, fragten die Engel. »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben«, antwortete Maria.
14 Als sie sich umblickte, sah sie Jesus dastehen. Aber sie erkannte ihn nicht. 15 Er fragte sie: »Warum weinst du? Wen suchst du?« Maria hielt Jesus für den Gärtner und fragte deshalb: »Hast du ihn weggenommen? Dann sag mir doch bitte, wohin du ihn gebracht hast. Ich will ihn holen.« 16 »Maria!«, sagte Jesus nun. Sie wandte sich ihm zu und rief: »Rabbuni!« Das ist Hebräisch und heißt: »Mein Lehrer.« 17 Jesus sagte: »Halte mich nicht fest! Denn ich bin noch nicht zu meinem Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe zurück zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!«
18 Maria aus Magdala lief nun zu den Jüngern und berichtete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte alles, was Jesus ihr gesagt hatte.<<

Das wird von Maria von Magdala am Ostermorgen erzählt. Sie ist ein geachtetes Mitglied der Gruppen um Jesus. Sie trauert um ihn, wie ein Mensch nur trauern kann. Und hat in dieser Trauer eine Begegnung mit dem -so denkt sie erst- Gärtner dieses Gartens. Wer soll es auch sonst sein?
Erst als er ihren Namen nennt, erkennt sie ihn als ihren Meister Jesus – als lebendigen Menschen! Unerhört und zutiefst verstörend muss dieses Erlebnis gewesen sein. Erlöst und befreit will sie ihm um den Hals fallen, doch er zieht sich zurück. Und nun zeigt sich, dass sie Recht hatte: Er ist es - und ist es nicht, noch hier und doch nicht greifbar. Mensch und doch auch mehr, als wäre er schon in einer anderen Welt!

EIN Osterbericht aus dem Johannesevangelium. Andere kann man noch lesen, dort und in den anderen Evangelien.

Was mich in diesem Jahr besonders daran bewegt ist, dass sich die Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus im Alltag der Menschen ergeignet.
Auch in unserem Predigttext wird es deutlich: Maria trauert. Sie muss Abschied nehmen. Wie schwer das ist, wissen wir alle. Sie will, ihrer Tradition und Kultur folgend, dem Leichnam etwas Gutes tun. Sie ist am Grab auf dem Friedhof – und DANN begegnet sie zuerst den Engeln, dann begegnet sie Jesus. Das ist ihre Auferstehungserfahrung. Mitten in ihrem Alltag. Völlig überraschend. Ohne Vorwarnung. Ohne Feiertag und Osterei.

Welche Ostererfahrung, welche Ostergeschichte könnten wir heute erzählen? Aus unserem Alltag? Fernab von Feiertag und Osterei? Vielleicht lohnt es, dem heute nachzuspüren…

Ich werde erinnert an eine Ostergeschichte, die ich vor einigen Tagen gehört habe. Eine Frau erzählt vom schwierigen Miteinander der Geschwister in der großen Familie. Lange Jahre war der Umgang miteinander mühsam. Später dann, viele Jahre danach, alle schon längst erwachsen, finden alle wieder zusammen, entdecken, was sie aneinander haben, lernen neu die Möglichkeiten des anderen zu schätzen. Für mich eine Ostergeschichte, die Hoffnung macht. Fernab von Feiertag und Osterei.

Ein junger Mann kommt hin und wieder und bittet um eine finanzielle Unterstützung. Immer wieder verspricht er, das Geld zurückzuzahlen. Kaum zu glauben. Vor 14 Tagen steht er an der Pfarrhaustür, bedankt sich für die erfahrene Unterstützung und zahlt sein erhaltenes Geld zurück. Für mich eine Ostergeschichte, die Hoffnung macht. Fernab von Feiertag und Osterei.

Vor einigen Tagen stehe ich mal wieder vor der Haustür einer älteren Dame. Öfters schon habe ich in den letzten Jahren versucht, zu ihr Kontakt zu bekommen. Nie hat das geklappt. Nie gab es auf Briefe Rückmeldungen. Jetzt erwarte ich eigentlich auch nicht, dass sich die Tür öffnet. Aber es kommt anders. Sie öffnet, ist überrascht und freut sich über meinen Besuch. Noch einmal war ich seit dem bei ihr. Nach Ostern bin ich wieder angemeldet. Für mich eine Ostergeschichte, die Hoffnung macht. Fernab von Feiertag und Osterei.

Wie würde eine Ostergeschichte für die Menschen in der Ukraine und in Russland oder im Nahen Osten gehen? Vielleicht so: Die Mächtigen erkennen, dass der Frieden wertvoller ist als Krieg. Das wäre eine Ostergeschichte, die Hoffnung macht. Fernab von Feiertag und Osterei.

Wie würde eine Ostergeschichte für Menschen gehen, die auf der Flucht sind? Worte wie „Bleib hier, ich gewähre Dir Asyl. Dann schauen wir weiter…“, würden für mich dazugehören. Das wäre eine Ostergeschichte, die Hoffnung macht. Fernab von Feiertag und Osterei.

Ostergeschichten – erlebt und erhofft.
Ostern ereignet sich im Alltag, ganz unvermittelt, auf einmal, ohne Vorankündigung. – „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Amen.

VATER UNSER

SEGEN
Gott segne seine Welt. Amen.