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(Diese Andacht schrieb Pfarrerin Heike Schneider aus Caßdorf)

 

Andacht für Zuhause
zum Michaelistag, dem Tag der Engel am 29.9.2020

EINSTIMMUNG
Zur Ruhe kommen, vielleicht eine Kerze anzünden, ein Musikstück hören, einen Liedvers summen oder singen.

ERÖFFNUNG
Der 29. September ist Michaelistag, der Tag der Engel. Ende September, wenn die Tage wieder kürzer werden, die Dunkelheit zunimmt, wenn der Sommer sich dem Ende nähert, wir die ersten Stürme erwarten, die über die abgeernteten Felder ziehen, wenn die Nächte kalt werden und der Nebel am Morgen klare Sicht verschleiert, spüren wir sie wieder, die Mächte der Natur und die Ängste in uns. So wenden wir uns an Gott, er möge seine Engel senden, Schutz und Trost in schwerer Zeit.
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.Amen

LESUNG Offenbarung 12
Kampf des Erzengels Michael gegen den Drachen
Dann brach im Himmel ein Kampf aus. Michael und seine Engel griffen den Drachen an. Der Drache schlug mit seinem Heer von Engeln zurück. Doch er verlor den Kampf und durfte nicht länger im Himmel bleiben. Der große Drache ist niemand anders als der Teufel oder Satan, der als listige Schlange schon immer die ganze Welt zum Bösen verführt hat. Er wurde mit allen seinen Engeln aus dem Himmel auf die Erde hinuntergestürtzt. Jetzt hörte ich eine gewaltige Stimme im Himmel rufen: „Nun hat Gott den Sieg errungen, er hat seine Stärke gezeigt und seine Herrschaft aufgerichtet.“

IMPULS
Unzählige Male sind wir im Sommer mit den Jugendlichen zum Mont St. Michèl gepilgert. Ein Granitfelsen, der 78 Meter aus dem Meer herausragt. Der Felsen, sowie die Abtei auf ihm erbaut, ist dem Erzengel Michael geweiht. Sie erhebt sich majestätisch aus dem Meer, das den Felsen umspült, direkt auf der Grenze zwischen Normandie und Bretagne in Frankreich.

Der Fels ist schon in seiner Entstehung ein Symbol der Stärke.
Er widersteht den Mächten der Natur. Als im Jahr 708 n.Chr. eine schwere Sturmflut wütet, bleibt er als Granitfels in der Brandung erhalten und wird vom dortigen und damaligen Bischof Aubert von Avranche mit einer ersten Anbetungskapelle dem Erzengel Michael geweiht. Über die Jahrhunderte werden nach und nach ein Kloster und eine Abtei übereinander auf dem Basaltkegel aufgebaut. Auf der Spitze erhebt sich in glänzendem Gold der Erzengel Michael, als Kämpfer, der den Drachen mit dem Schwert besiegt.

Michael – Mi – cha – el ist hebräisch und heißt übersetzt: Wer ist wie Gott?
Als erster Kämpfer an der Seite Gottes bezwingt er den Drachen, den Satan, den Verführer der ganzen Welt, der mit Gott rivalisieren wollte. So berichtet es Johannes in seiner Offenbarung.

„Wer ist wie Gott?“ Wer wagt es, sich mit Gott zu messen?
Er bezwingt den Satan als unverschämt hochmütigen Herausforderer Gottes. Als Sieger in dem Kampf gegen ihn stellt er seinen Fuß auf den Kopf der Schlange, mit Schwert und Schild wird er zum Sieger über das Böse und so zum Schutzengel.

Darüber hinaus ist er der Hüter der Schwelle zwischen Tod und Leben. Er steht hütend wachsam zwischen Himmel und Erde.
In einer Landschaft, wie der Bretagne, die so den Naturgewalten ausgeliefert ist, in der Menschen Sturm und Wasserfluten trotzen müssen und sich das Überleben als harter Kampf darbietet, hier ist es nicht verwunderlich, dass man einen starken Engel, wie den Michael, an seiner Seite braucht.

All das spürt man, wenn man sich dem großen St. Michèl nähert.

Wir pilgerten zusammen mit noch tausenden Menschen aus aller Welt dorthin, zu Zeiten, als es noch keine Pandemie gab.
Und dabei wird uns eines ganz klar: Es ist keine fromme Buß-Übung für uns, wenn wir die unzähligen, hohen Stufen ersteigen, vielmehr wird dieser Berg mit dem Schutzengel Michael zum Symbol unseres Menschseins.                      

Da stehen wir kleinen Menschen vor der beeindruckenden Größe dieses so mächtigen, unendlichen und unberechenbaren Gottes. Und wieder können wir es nicht fassen. „ Wer ist wie Gott“? Und zaghaft ahnen wir eine Antwort. Die gleiche Antwort, die wir ahnen, wenn wir den Sternenhimmel betrachten.

Ja, wir Menschen kämpfen mit Regen, Hagel und Dürre, unser Hab und Gut ist bedroht von großen Mächten.
Wir werden krank, unser Leben ist bedroht.
Keiner ist wie Gott !! ist die Antwort.

„Was ist der Mensch und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“, das fragt auch der Psalmbeter.
Da ist eine große Weite zwischen Gott und den Menschen, eine große Willkür, der wir uns nur fragend näher können, eine große Macht. Und doch wendet Gott sich uns zu in einer unfassbaren Güte.

Und umgekehrt näher wir Menschen uns ihm in genau diesem Bewusstsein, dass wir diesen starken Himmel brauchen, dass er an unserer Seite sei und seine Stärke uns umhüllt gegen alle Bedrohung.

So sehnen wir uns nach Engeln.
Sie könnten diese Zwischenwesen sein, vermittelnd zwischen dem so Großen und uns Kleinen, zwischen Himmel und Erde. Sie könnten auffangen, was an Last auf uns fällt, sie könnten mit Leichtigkeit tragen, was in den Abgrund zu stürzen droht.

Das direkte Nähern ist vielleicht zu dreist, auch eher nicht angemessen, unsicher fragen wir uns, ob es uns überhaupt zusteht. Aber Engel wirken zwischen Himmel und Erde.

So pilgern wir zum Mont St. Michèl und erkennen: Gott ist großartig, ehrfürchtig werden wir vor ihm. Gut, dass er seine Engel sendet. Gut, dass seine Nähe wahrnehmbar ist.

Gut, dass die Bewahrung so für uns ein Bild hat. Einen starken Kämpfer gegen das Böse, das wie ein Drache ist. Einen Bezwinger des Übels, wie eine Schlange.
Daran will uns der 29. September erinnern, der Tag der Engel, der Michaelistag.

GEBET
Gott, sende deine Engel, dass sie alle dunklen Mächte vertreiben.
Gott, sende deine Engel, dass sie uns beschützen auf unseren Wegen. Gott, sende deine Engel, dass sie die traurigen Herzen heilen. Gott, sende deine Engel, dass sie verzweifelte Menschen mit Liebe umhüllen. Gott, sende deine Engel, dass sie deinen Frieden in alle Länder der Erde bringen. Gott, sende deine Engel, dass sie den Mächtigen Wege weisen zur Gerechtigkeit.
Gott, sende deine Engel, dass sie uns hineinnehmen in ihren Lobgesang:

Vater unser im Himmel, ….

Lied EG +   6
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


SEGEN

Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.