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Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg

Andacht für Zuhause, Pfingsten 2026


ERÖFFNUNG
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth! – So segne mir Gott diese Andacht. Amen.

IMPULS
Kennen Sie das auch?
Manchmal fühle ich mich wie ein Ball ohne Luft… Wenn solche Zeiten sind, dann fühle ich mich kraftlos. Ich bin ausgelaugt, nichts kann mich begeistern, alles ist mir zu viel. Dann weiß ich oft nicht so recht, wie es weitergehen soll. Wie am Ende fühle ich mich. Dann erlebe ich eine Wüstenzeit. Dann strengt alles an. Die Luft ist raus!

Wüstenzeiten im Leben von uns Menschen: Da sind die Traurigen, die einen Menschen verloren haben und die diesen Verlust verarbeiten müssen. Eine große Lücke entsteht, und mit ihr muss man Leben lernen.
Da sind die schwer kranken Menschen, die wissen: „Besser wird es mit mir nicht mehr! Ich bin auf Hilfe angewiesen und kann schon lange nicht mehr so wie früher.“ Das ist ein schwerer Weg.
Da sind die, die einen Schicksalsschlag nach dem anderen ereilt. Man meint, man müsse nun doch erst mal wieder zum Atem kommen, es müsse doch langsam reichen – und dann kommt wieder etwas anderes, das weh tut, Kummer macht oder einfach anstrengend ist.
Da sind die, die Durststrecken an ihrer Arbeitsstelle durchmachen. Die einen haben zu viel Arbeit, die anderen zu wenig oder gar keine. Mancher, der totale Erschöpfung erlebt, andere, die keine Lust mehr an dem täglichen Einerlei haben.
Wüstenzeiten kennen auch die Konfis und Jugendlichen in der Schule, wenn nichts mehr Bock macht und alles nur noch langweilig ist. Oder sie kennen das aus ihren Freundeskreisen, wenn das Miteinander schwierig ist.
Wüstenzeiten erleben Menschen in einer Beziehung, wo die Partner sich nur noch wenig zu sagen haben und alles festgefahren scheint.

Wüstenzeiten, Durststrecken in unserem Leben – viel mehr noch könnten wir zusammentragen, da bin ich mir ganz sicher. Erfahrungen, in denen Menschen immer wieder schwierige Zeiten durchleben, in denen es an Kraft mangelt und an Lebendigkeit.

Ein Bibeltext zum Pfingstfest ist auch so eine Geschichte. Ein Mann, der am Ende seiner Kräfte ist, dem alles zu viel ist.
Die Geschichte spielt in einer Wüste – in einer echten, mit Hitze und Durst. Das Volk Israel ist auf dem Weg in das Gelobte Land. Die Freude über die Rettung aus der Sklaverei in Ägypten ist aus dem Blick geraten. Im Rückblick verklärt sich manches.
Der sich anstauende Unmut richtet sich immer wieder gegen Mose, den Anführer. „Warum Mose? Wie lange noch?“, so klagen Sie ihn an.
Und Mose selbst? Er ist erschöpft, müde und zornig wegen der Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit des Volkes.
Mose muss sich Luft verschaffen, denn die dummen Reden, die er hören muss, rauben ihm die Kraft. Und so redet er, redet es aus ihm raus:

"Warum tust du mir das an?", fragte Mose den Herrn. "Ich bin zwar dein Diener! Aber musst du mir wirklich die Verantwortung für dieses ganze Volk aufhalsen? Hast du denn kein Erbarmen mit mir? Bin ich etwa die Mutter dieser Menschen? Habe ich sie zur Welt gebracht? Oder bin ich ihr Pflegevater? Soll ich sie wie einen Säugling auf meinen Armen in das Land tragen, das du ihren Vorfahren versprochen hast? Ich kann die Verantwortung für dieses Volk nicht länger allein tragen. Ich halte es nicht mehr aus! Wenn es so weitergehen soll, bring mich lieber gleich um! Wenn dir aber etwas an mir liegt, dann erspar mir dieses Elend!"

So ruft Mose zu Gott.
Ich finde diese Stelle sehr sympathisch. Es wird deutlich: Auch er ist kein Held, kein Übermensch. Er ist wie wir: Einer aus Fleisch und Blut. Mose verschweigt seine Schwäche nicht. Er versucht nicht, zu verbergen, dass alles ihm zu viel ist.
Und er wendet sich an Gott. Gibt es eine bessere Adresse in so einer Situation? In seiner Verzweiflung ruft er zu dem, dem er bisher alles anvertraut hat. Zu dem, der seine Hilfe war in der bisherigen Wüstenzeit. Zu dem, der ihn als Anführer bestimmt hat. Und damit Gott schließlich auch eine Mitverantwortung.
Und Gott reagiert. Zunächst hört er Mose einfach zu.
Ja, Gott weiß, dass wir das Schimpfen und Klagen manchmal nötig haben. Gott hört zu. Er weist nicht zurecht und beschwichtigt auch nicht. Gott nimmt an, was Mose zu sagen hat, er lässt es gelten. Und er erweist sich als ein Gott, der Mose eine Alternative anbietet:

>Der Herr antwortete Mose: "Such unter den Ältesten Israels siebzig Männer aus! Nimm Leute, die als zuverlässige Anführer des Volkes bekannt sind. Bring sie zum heiligen Zelt, und stell dich mit ihnen dort auf!
Denn ich will herabkommen und mit dir sprechen. Ich werde etwas von meinem Geist, der auf dir ruht, nehmen und auf sie legen. Sie sollen von nun an die Last mit dir teilen. Du musst die Verantwortung für das Volk nicht mehr allein tragen.<
So müht sich Gott um den atemlosen Mose: „Komm her, du musst die Last nicht alleine tragen. Sieh dir die Menschen an. Mit Begabungen kommen sie dir entgegen und erwarten, dass du ihnen zutraust, dass sie ihre Aufgaben erfüllen. Mein Geist soll für dich und sie sein. Sieh nur, so viele Hände, die mitanpacken, Köpfe, die mitdenken. Einer trage die Last des anderen.“

Und dann passiert es: Menschen werden erfasst vom Geist Gottes, fangen an zu reden, wie Gott es eingegeben hat, sind da, helfen mit, übernehmen Verantwortung. Und Mose hatte gedacht, er stünde ganz allein da. Er hatte gedacht, da sei rings um ihn herum nur noch Resignation und erstarrtes Leben. Gott belebt, erfährt Mose. Ihn und auch die anderen.

Manchmal fühle ich mich wie ein Ball, dem die Luft ausgeht. Wenn solche Zeiten sind, dann fühle ich mich kraftlos. Dann erlebe ich eine Wüstenzeit. Dann ist die Luft raus! Der Predigttext heute nimmt mich an die Hand und sagt: „Schau dich um! Du bist nicht allein. Nimm dich doch nicht so wichtig! Da sind viele, die auf dem gleichen Weg sind wie du. Da sind so viele, die beten, die Verantwortung übernehmen, die mithelfen. So viele, die sich einbringen, die mitarbeiten, die Dir freundlich begegnen, die da sind! Du bist doch nicht allein.“

Ein Dank an Sie, die Sie sich zur Kirchengemeinde zählen, mitbeten und –denken, die Sie da sind, kritisch begleiten, Verantwortung übernehmen, helfen und mir freundlich begegnen. Danke dafür. Für mich immer wieder ein Hinweis auf Gott und seine Geistkraft, die wirkt und uns Menschen miteinander und füreinander in Bewegung setzt.

Der Geist Gottes: wir spüren ihn auch, wenn sich Gesichter während einer Trauerfeier bei Worten und Liedern aufhellen. Wir erleben diesen Geist, wenn die Gemeinde feiert, wenn sie in Gottes Namen zusammenkommen, sein Wort hören, singen, Beten und Abendmahl feiern.

Wir erleben diesen Geist Gottes, wenn uns Kraft zuwächst oder wenn uns eine Last abgenommen wird. Wir können Gottes Kraft erleben, wenn uns jemand seine Zeit schenkt, im Zuhören und Reden ganz bei uns ist.

Wir erleben den Geist Gottes, wenn Versöhnung geschieht, Menschen aufeinander zugehen, sich neue Wege auftun, die wir vorher nie vermutet hätten.

Manchmal fühle ich mich wie ein Ballon, dem die Luft ausgeht. Ja, das stimmt. Aber das andere auch: Gott weiß darum, er will uns Kraft geben für die Aufgaben, die dran sind. Er hat uns zueinander gestellt, dass wir miteinander den Alltag bewältigen und das Leben gelingt. Gott ist da mit seinem Geist. Das feiern wir an Pfingsten: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ Amen.

VATER UNSER

SEGEN
Gott segne deine weite Welt. Amen.