Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg
ANDACHT für Zuhause
ERÖFFNUNG
Gott, segne mir diese Andacht. Amen.
LIED EG 334 Danke für diesen guten Morgen…
- Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag. Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.
- Danke für alle guten Freunde, danke, o Herr, für jedermann. Danke, wenn auch dem größten Feinde ich verzeihen kann.
- Danke für alle schönen Dinge, danke für jedes kleine Glück. Danke für alles Frohe, Helle und für die Musik.
- Danke für manche Traurigkeiten, danke für jedes gute Wort. Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.
- Danke, dass ich dein Wort verstehe, danke, dass deinen Geist du gibst. Danke, dass in der Fern und Nähe du die Menschen liebst.
- Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran. Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.
Text und Melodie: Martin Gotthard Schneider (1961) 1963
IMPULS
Ich erinnere mich an eine ältere Dame. Sie erzählt bei einem Besuch aus ihrem Leben: Anfang der 1920ger Jahre geboren, als junge Frau die Bombennächte in Dresden erlebt, dann heiratet sie, bekommt Kinder und wird früh Witwe – die Kinder muss sie nun alleine großziehen. Wenig Geld ist da. Sie macht eine Ausbildung, begleitet ihre Kinder ins Leben, ein Haus mit einem großen Garten, viel Verantwortung, viel Arbeit, viel Mühsames und Schweres, was zu ihrem Leben gehört.
Einfach hat sie es nicht gehabt, denke ich, als sie erzählt. Einfach war es nicht, sagt sie selbst, wenn sie zurückblickt.
Sie hat sich den Aufgaben, die ihr in ihrem Leben begegnet sind, gestellt. Sie ist ihren Weg gegangen, denke ich. Zu ihrem Leben gehören auch Abschnitte, in denen sie nicht mehr weiterwusste. Und trotzdem hat sie sich nicht unterkriegen lassen, hat nicht aufgegeben, sondern hat mit Liebe und Engagement ihr Leben gestaltet. So konnte sie vieles schaffen.
Und dann erzählt sie, nun im hohen Alter: „Wenn ich dann mal schlecht gelaunt bin, dann überlege ich, was in meinem Leben alles gut ist.“
Und dann zählt sie auf und es fällt ihr ein: die Kinder, zu denen sie ein gutes Verhältnis hat – die Enkel- und Urenkelkinder, an denen sie sich freut – das Haus mit dem schönen Garten drum herum – die schönen Blumen, das Obst und Gemüse, das sie erntet – die Sonne, die ihr scheint – dass sie versorgt ist. Und sie sagt den bemerkenswerten Satz: „Man muss lernen, auch für die kleinen Dinge dankbar zu sein.“
Aus der Dankbarkeit schöpft sie Kraft für den Tag. Die Dankbarkeit gibt ihr Energie und macht sie froh und gelassen: „Man muss lernen, auch für die kleinen Dinge dankbar zu sein.“ Sie wirkt weise auf mich!
Aus der Dankbarkeit Kraft schöpfen für jeden neuen Tag. Davon erzählt auch diese Geschichte.
Das Bohnengebet
Man erzählt sich die Geschichte von einer Frau, die sehr alt wurde und tief glücklich lebte.
Sie war eine große Lebensgenießerin und verließ das Haus nie, ohne sich eine Handvoll Bohnen einzustecken. Sie tat dies nicht, um die Bohnen zu kauen. Nein, sie nahm sie mit, um so die schönen Momente des Lebens bewusster wahrzunehmen und sie besser zählen zu können.
Für jede Kleinigkeit, die sie täglich erlebte, zum Beispiel einen fröhlichen Schwatz auf der Straße, ein köstliches Brot, einen Moment der Stille, das Lachen eines Menschen, eine Tasse Kaffee, eine Berührung des Herzens, einen schattigen Platz in der Mittageshitze, das Zwitschern eines Vogels - für alles, was die Sinne und das Herz erfreute, ließ sie eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.
Abends dann saß sie zu Hause und zählte die Bohnen in der linken Jackentasche. Sie zelebrierte diese Minuten.
So führte sie sich vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war und freute sich.
Und sogar an einem Abend, an dem sie bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen. Es hatte sich gelohnt zu leben.
Hätten Sie heute schon einen Grund, eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern zu lassen? -:::-
Worüber haben Sie sich heute schon gefreut? Welche kleinen Dinge gibt es in Ihrem Leben, für die Sie heute schon dankbar sein könnten? Vielleicht ein nettes Wort von der Nachbarin. Eine Geste der Achtung und des Vertrauens. Eine wohlschmeckende Tasse Kaffee und einige Momente der Ruhe, das Lachen über einen guten Witz. Das behütete Unterwegssein durch den Tag. Ich glaube und denke, dass Sie einiges erzählen könnten.
Na klar, es gab vielleicht auch heute schon anderes: Sorgen und schwere Gedanken, Begegnungen, die mühsam waren, Ungeduld und Streit, Menschen, die anstrengen und den Tag erschweren.
Aber, von der Bohnen-Geschichte und der alten Dame, von der ich erzählt habe – neben der Erfahrung von Schwerem gilt: „Man muss lernen, auch für die kleinen Dinge dankbar zu sein.“ Diesen Blick der älteren Dame auf die Dinge ihres Lebens möchte ich mir gerne zu Eigen machen. Ich möchte neben all dem, was mühsam ist, auch das in meinem Leben wahrnehmen, das gut ist – und da kommt eine ganze Menge zusammen.
Als Christinnen und Christen sehen wir unser ganzes Leben in Beziehung zu Gott. Großes und Kleines, Leichtes und Schweres, Mühsames und Federleichtes nehmen wir aus seiner Hand. Nichts ist da, was uns von ihm trennen kann. Nichts ist da, was er nicht kennt. Wir nehmen unser Leben aus seiner Hand, voll Vertrauen, dass er in allem, was zu unserem Leben gehört, uns nah ist. Er möchte, dass wir ihn in unser Leben einbeziehen.
Und deswegen können wir mit den Worten der Bibel sagen:
>Danket dem Herren, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!<
Gott ist da, heißt das. „Fürchte dich nicht!“, ruft er uns zu. Das Mühsame dürfen wir aus seiner Hand nehmen, wissend, dass er uns nah ist und uns begleitet, im Leben und darüber hinaus. Nichts kann uns aus seiner Hand reißen. Für diese Nähe können wir Gott dankbar sein.
Und wir können Gott dankbar sein auch dafür, dass es Vieles in unserem Leben gibt, das gut und schön ist, dass unser Herz berührt und uns froh macht. Nehmen wir das in den Blick. Heute an diesem Tag! Amen.
FÜRBITTENGEBET
Gott, Vater im Himmel,
wir danken Dir für diesen Tag und all das, was uns an Guten schon geschehen ist. Freundlichkeiten anderer Menschen, Bewahrung auf dem Weg. Einen Moment der Ruhe. Deine Geschenke an uns.
Du weist auch um das andere unseres Lebens: Momente, die schwer sind, Gedanken, die zu schaffen machen, Streit und Missgunst, Angst und Sorge um uns und die, die uns anvertraut sind. Sei und in all dem nah und schenke Kraft, dass wir uns dem allen stellen können.
Gott wir danken Dir für alle Arbeit, die hier im Haus getan wird. Segne alle, die hier ein- und ausgehen. Schenke Geduld im Miteinander und einen vertrauensvollen Umgang.
Wir befehlen Dir diesen Tag an. Geh Du mit und begleite uns und die, die uns am Herzen liegen. Amen.
VATER UNSER
SEGEN
Gott segne seine Welt – und uns alle. Amen.
