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Diese Andacht schrieb Pfarrerin Doreen Göbel aus Wernswig und Waßmuthshausen

„Andacht für Zuhause“ - 5. Juli 2020
(4. Sonntag nach Trinitatis)

Einstimmung:
Zur Ruhe kommen, vielleicht eine Kerze anzünden, ein Musikstück hören, einen Liedvers summen oder singen.

ERÖFFNUNG:
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus sagt:
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Und wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Mit unseren unterschiedlichen Gefühlen. So, wie wir jetzt eben sind.
Und zur gleichen Zeit. Sind miteinander verbunden. Und sind verbunden mit Gott.
Wir feiern in Gottes Namen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

                                      

+34 Komm heilger Geist
//Komm heilger Geist, mit deiner Kraft die uns verbindet und Leben schafft//x2

1. Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen umgestalten unsre Welt
2. Wie der Sturm so unaufhaltsam dring in unser Leben ein. Nur wenn wir uns nicht verschließen können wir deine Kirche sein.
3. Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache wenn ein Mensch den anderen liebt.


Ich habe Sehnsucht nach Dir, Gott,
ich möchte mit Dir reden, weil ich allein nicht fertig werde.
Sag mir, was ich tun soll.
Nimm mich an der Hand, wenn Du mir Deine Worte erklärst.
Du bist für mich wie ein großer Freund, wie ein Bruder;
es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Dich denke.
Ich bitte Dich: Nimm mich so, wie ich bin,
auch mit all meinen Schwächen und decke sie zu,
damit nur Du allein davon weißt.
Mit Dir durchs Leben gehen: Das bringt Sinn und Freude.
Auf Dich kann ich mich verlassen.
Ich glaube, Du sagst jedem klar, was das Leben wert ist,
Hauptsache, wir Menschen wollen uns nach Dir richten.
Du bietest allen Deine Freundschaft an.
Ich bin froh darüber.
Komm zu mir, ich weiß manchmal nicht mehr aus noch ein.
Lass mich nicht allein. Ich brauche Dich, und ich vertraue Dir.
(aus Psalm 25 in der Übertragung v. Peter Spangenberg)  

Gebet:
Gott, du richtest, indem du aufrichtest, und sprichst Recht, indem du zurecht rückst.
Wir möchten von dir lernen.
Uns gelingt es meistens nur, über Unrecht hinweg zu sehen und den Ärger darüber hinunter zu schlucken.
Oder wir sagen unverblümt die Wahrheit, aber sie verletzt nur und macht den andern trotzig.
Hilf uns, offen und barmherzig miteinander zu sein und Wahrheit und Liebe miteinander zu verbinden
im Namen Jesu Christi, der mit dir in der Einheit des Geistes lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

EG 430

1.Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf
Recht wird durch Macht entschieden Wer lügt, liegt obenauf.
Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.
Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

2. Gib Frieden, Herr, wir bitten Die Erde wartet sehr
Es wird so viel gelitten Die Furcht wächst mehr und mehr
Die Horizonte grollen Der Glaube spinnt sich ein
Hilf, wenn wir weichen wollen Und lass uns nicht allein.

                                          

Es ist dunkel in der Höhle. Das ist gut. Hier kann er sich verstecken.
Vor dem, der hinter ihm her ist. Der ihm ans Leben will. Der Feind.
Es ist dunkel, und David sitzt geschützt da.
Dann plötzlich sieht er ihn. Den, der ihn verfolgt. Ahnungslos steht er da, Saul, der König. Nur wenige Meter von ihm entfernt.
Wie ist er hierhergekommen? Aber eigentlich ist das jetzt egal. Denn jetzt ist die Gelegenheit da. David kann den töten, der ihn töten will. Und so sein eigenes Leben retten. Er spürt das Schwert in der Hand, kalt und schwer. Und dann schlägt er zu. Und hält im nächsten Moment ein Stück Stoff des Mantels in der Hand. Den, der den Mantel trägt, verschont er. Der geht seines Weges. Hat davon nichts mitbekommen. Davis sieht zu, wie Saul die Höhle verlässt. Friedlich weitergeht. Wird David auch weiterhin verfolgen in seinem Wahn…

Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen in Frieden –soweit das möglich ist und es an euch liegt. Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: »›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ –spricht der Herr.«

Im Gegenteil: »Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.«   Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute! (Röm 12,17-21)

Gott, David ist das gelungen. Dort in der Höhle. Nach all den Wochen der Verfolgung durch den wahnsinnigen König Saul hatte er sich dort in der Höhle versteckt. Und dann steht Saul dort. Unbewaffnet. Seine Soldaten weit entfernt. Jetzt wäre der perfekte Moment für Rache. David könnte ihn töten. Dieser Verfolgungsjagd ein Ende setzen. Aber David hält inne. Legt die Rache in Gottes Hand. Dort liegt sie sicher. Dort schadet sie niemandem. „Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.“

Das möchte ich, Gott. Aber ich bin nicht David in der Höhle. Ich bin ein Menschenkind, mit Stärken aber auch vielen Schwächen. „Lass nicht zu dass dein Herz eine Mördergrube wird“ hat mein Religionslehrer immer gesagt. Klingt gut. Aber manchmal Gott…du kennst doch deine Menschkinder… da weißt du ja, warum es mir manchmal so schwer fällt mit allen im Frieden zu leben. Schon damals in der Schule. Die Englischlehrerin in der 6. Klasse. All ihre Ungerechtigkeiten, Beleidigungen, ihre Selbstherrlichkeit. Wer nicht zu ihren Opfern gehörte hat geschwiegen. Irgendwann hatte ich nur noch Angst in die Schule zu gehen, fühlte ich mich wie eine große Versagerin, hatte nachts Alpträume. Dann kam der Lehrerwechsel. Ich konnte wieder aufatmen und ohne Angst in die Schule gehen. Das ist jetzt mehr als 25 Jahre her. Aber vergessen kann ich es nicht. Und irgendwie auch nicht verzeihen. Und du weißt Gott, es gab schon einige dieser Menschen in meinem Leben. Die ohne Rücksicht. Die verletzten, beleidigten, zerstörten. Denen ich nichts Böses wünschen möchte, aber auch nichts Gutes wünschen kann. Und mit denen es so schwer ist im Frieden zu leben.

Und ich denke an Fritz, der mit mir zur Schule ging. Er kam aus einer sehr Familie, wo Gottes Wort über allem. „Und wer dich auf die eine Wange schlägt, dem biete die andere auch da.“ Zitierte sein Vater immer beim Streit der Kinder. Aber in Fritz wuchs die Wut und manchmal wurde er laut: Wie ihn das alles anwidere. Dieses Unterwürfige. Dieses immer-nachgeben-müssen. Und wie der Vater immer so sanft vom Frieden rede. Von Liebe zum Nächsten und zum Feind, weil auch Gott so lieb ist.
Solche Liebe wollte Fritz nicht. Solche Liebe, die keinen Frieden stiftet, sondern alles rechtfertigt. Nach dem Abitur ist Fritz ausgezogen. Hat sich von der Familie weit entfernt. Aber nicht von Gott. Der kann auch zornig sein. Auch das steht in der Bibel. Und das tat Fritz gut. Gottes Zorn wie ein reinigendes Gewitter über dürrem Land. Und manchmal kann ich Fritz gut verstehen. Wenn ich die Zeitung aufschlage und von allem der Gewalt lese. Was Erwachsene Kindern antun. Menschen einander. Da wächst auch der Zorn in mir. Da möchte ich keinen lieben Gott, da möchte ich einen Gott, der Rache übt.

David und Fritz und ich. Wie kann das gehen, Gott mit der Feindesliebe. Und dem Frieden. Es braucht wohl einen dritten Weg, wie in dem gleichnamigen Gedicht von Dorothee Sölle:

der dritte weg

Wir sehen immer nur zwei Wege
sich ducken oder zurückschlagen
sich kleinkriegen lassen
oder ganz groß herauskommen
getreten werden oder treten

Jesus du bist einen anderen weg gegangen
du hast gekämpft aber nicht mit waffen

du hast gelitten aber nicht das unrecht bestätigt
du warst gegen gewalt aber nicht mit gewalt

Wir sehen immer nur zwei möglichkeiten
selber ohne luft sein oder andern die kehle zuhalten
angst haben oder angst machen
geschlagen werden oder schlagen  
     

Du hast eine andere möglichkeit versucht
und deine Freunde haben sie weiterentwickelt
sie haben sich einsperren lassen
sie haben gehungert
sie haben die spielräume des handelns vergrößert(...)

Jesus ist uns diesen dritten Weg vorausgegangen. Friedlich und mit großer Offenheit ist er anderen begegnet. Aber er hat Unrecht nicht einfach hingenommen. Hat nicht geschwiegen wo andere litten und hat sich für die eingesetzt, die von anderen mundtot gemacht wurden.                          

Und ihm sind seine Jünger gefolgt. Sie tun es bis heute. Frauen und Männer, die diesem dritten Weg folgen. Manche ihre Namen sind uns sehr vertraut: Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Gandhi, Elsa Brandström, Albert Schweitzer. Und so viele mehr, deren Namen nicht ganz so bekannt sind, die aber in unserem Leben vielleicht eine wichtige Rolle spielten.

Menschen, die diesem dritten Weg gefolgt sind. Die sich ohne Gewalt gegen die Gewalt einsetzen. Die Missstände und Unrecht aufdeckten und sich mit ihrer Kraft und ihren Mitteln dagegen einsetzten. Auf friedliche Weise, mit Liebe, Engagement und neuen Ideen. Friedensstifter.

Vielleicht konnten sie das sein, weil sie selber Friede gespürt haben. Frieden mit sich selber. Weil sie geglaubt haben: dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes machen kann und will. Und sicher haben sie auch manchmal gerungen mit dem, was das eigentlich heißt: Frieden haben mit allen Menschen. Auch die Feinde lieben.

Sie haben gerungen mit dieser Botschaft, aber sie sind daran nicht verzweifelt. Sondern haben angefangen und weitergemacht mit dem, was Feindesliebe genannt wird. Haben es immer wieder versucht, Tag für Tag: Mit allen Menschen Frieden haben.

Und dabei haben sie begonnen die Spielräume des Handelns zu vergrößern– jenseits von gut und böse. Haben dadurch Raum geschaffen für viele. Auch für die, die anders sind. Für die, deren Handeln ich nicht verstehe, falsch finde. Für die immer Sanftmütigen und für die Revoluzzer. Für die, die irre gehen und für die, die urteilen. Für die, die mir ähnlich sind und für die, die so ganz anders denken. Platz für mich und dich, für Fritz und David und auch für meine Englischlehrerin.

Das macht mir Mut es selbst immer wieder zu wagen. Diesen dritten Weg. Gott kann und will Gutes machen – auch aus dem, was mich so sehr ärgert. Was mich unzufrieden macht. Er kann und will aus meiner Angst Gutes machen, aus meiner Feigheit. Und sogar aus dem, was ich selber Böses tue, weil ich das Gute will. Und dann hilft Gott mir auch meinen Groll und meine Feindseligkeit zu überwinden und aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Wenn’s allein an mir läge: Ich hätte wenig Hoffnung. Wenig Hoffnung, den Friedensstiftern folgen zu können.
Aber an mir allein liegt es nicht: Sondern an dem, der für uns am Kreuz gestorben ist und der mir verheißt: Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Amen.

EG 599
Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wen ihr lieben lernt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleit.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Fürbittengebet
Gott wir danken dir, dass du unseres Angesichts Hilfe und unser Gott bist.
Auch wenn wir betrübt sind oder unruhig. Auch, wenn wir uns bedrängt fühlen

Wir bitten Dich:
Hilf uns, auf das Gute zu vertrauen.
Lass uns nicht gefangen nehmen von Zorn und Wut, Angst und Zweifel.
Hilf uns Frieden zu machen mit dem, was uns quält.
Wir bitten dich für alle, denen Unrecht widerfährt, gib ihnen Kraft, nicht einzubrechen.Tröste sie und hilf ihnen, neue Wege zu finden.
Lass sie das Gute nicht aus den Augen verlieren.

Und gemeinsam beten wir in der Verbundenheit aller Christen:

Vater unser im Himmel, ….

SEGEN

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Und/Oder:
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen:
Ich bin nicht allein. Danke.