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Diese Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg

Andacht für Zuhause, Juli 2026

ERÖFFNUNG
Gott segne mir diese Andacht. Amen.

LIED Geh aus mein Herz…
1 Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2 Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

IMPULS
Im Juni war das Tauffest an der Efze. 17 Menschen wurde getauft. Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das war ein besonderer Tag.
Die Taufe – was haben wir davon? Was bringt sie uns? Was verbinden wir mit ihr?
Ich erzähle Ihnen eine Taufgeschichte aus der Bibel. Es geht um eine Spontan-Taufe, quasi um eine „Taufe to go“ – ohne Personalausweis, Patin und Pate, ohne Formulare und Taufurkunde.
Vielleicht kennen Sie die Geschichte.
Zwei Menschen kommen zusammen. Nicht zufällig, das wird sofort klar: Gott selbst führt Regie in dieser Erzählung, er bringt diese beiden so unterschiedlichen Männer zusammen. Der eine, Philippus, war aus der christlichen Gemeinde. Der andere war auf der Rückreise von Jerusalem nach Hause, nach Äthiopien, heute vermutlich in der Region des Sudan. Auf jeden Fall war das eine weite und beschwerliche Reise. In seinem Heimatland war er ein berühmter und wichtiger Mann. Beten wollte er im Tempel von Jerusalem, zum Gott der Juden. Irgendwie hatte er von dieser Religion gehört und er stellte sich die Frage: „Wo gehöre ich hin? Wo ist mein Platz im Blick auf diesen Gott?“
Um noch mehr über diesen Gott zu erfahren, um eine Antwort auf seine Fragen zu erhalten, kaufte er sich vor der Rückreise eine Schriftrolle mit dem Buch des Propheten Jesaja. In ihr liest er laut auf seiner Rückfahrt, so wie es damals üblich war.
An dieser Stelle tritt Philippus hinzu, von Gott geschickt, und kommt mit ihm ins Gespräch. Eingeladen wird er, sich in den Wagen zu setzen und dem Mann aus der Ferne das Gelesene zu erklären. Und er, Philippus, erzählt von Jesus, vom Glauben, vom Gottvertrauen wohl mit so viel Geist und Überzeugung, dass der Afrikaner sich auf der Stelle taufen lassen will, als sie an einem Gewässer vorbeikommen. Gesagt, getan! Eine Spontantaufe!
Nach der Taufe wird Philippus vom Geist Gottes entrückt. Es gibt keine große Abschiedszeremonie, keine Ermahnungen für den Weg und den rechten Glauben.
Und der Mann aus Afrika? Er setzt seinen Weg fröhlich singend fort… Er weiß auf einmal, wo er hingehört. Er hat auf seine Frage eine Antwort bekommen. In seiner Suche hat ein Ziel gefunden: bei Gott, bei Jesus.

Die Taufe – was haben wir davon? Was bringt sie uns? Was verbinden wir mit ihr?
Eine Antwort auf diese Fragen könnte sein: Die Taufe weist mir einen Platz zu. Die Geschichte aus der Bibel macht deutlich: unser Platz ist bei Gott, in seiner Nähe, da sind wir zu Hause. Und die Taufe ist ein Zeichen dafür, ein Bund, mit dem Gott uns diesen Platz zuweist und erfahr bar macht.
Denn mit der Taufe wird uns wichtiges und Wesentliches zugesprochen – es wird uns gesagt, wo wir hingehören: für unser Leben, für unsere innere Ausrichtung, für das, was unserem Leben eine Richtung geben möchte.
Und: Mit der Taufe werden wir in eine große Gemeinschaft aufgenommen: wir gehören zu denen, die Gott kennen und ihm vertrauen. Wir zählen uns zur „Kirche“, die z.B. konkret wird an denen, die Teil dieser Gemeinschaft sind.
Oder: Mit der Taufe kreuzt sich der Weg Gottes mit dem von uns Menschen, ganz konkret. In den Worten, im Wasser können wir hören und spüren, dass es Gott ganz ernst mit uns meint. Gott ist uns, wenn wir taufen, mit seinem Geist ganz nah, erfahrbar und erlebbar – dichter geht es nicht mehr nach unserem Verständnis (außer beim Abendmahl). In den Worten und im Wasser sagt Gott sich zu! Gottes Nähe erleben - wenn wir taufen, können wir das miteinander teilen.
Und: In der Taufe sagt Gott „Ja“ zu uns, wir dürfen uns seiner Liebe und Nähe vergewissern, wir dürfen mit seiner Gegenwart rechnen, wir dürfen uns seine Kinder nennen. Vorhin haben wir es gehört: Jesus und mit ihm Gott verspricht uns, alle Tage bei uns zu sein. Alle Tage unseres Lebens.
Die Taufe will ein erster Schritt sein auf dem Weg des Glaubens und Gottvertrauens, weitere sollen folgen. Die Taufe will uns auf dem Weg des Glaubens bringen und dazu einladen, von Gott her unser Leben zu sehen und zu gestalten. Die Taufe –wenn wir sie ernst nehmen- fordert Konsequenzen.

Die Taufe – was haben wir davon? Was bringt sie uns? Was verbinden wir mit ihr?
Ich denke an die Begegnungen mit einem älteren Mann. Sein ganzes Leben hat er geglaubt, auch in den schweren Erfahrungen. Jetzt im Alter fällt ihm das schwer, fängt er an zu zweifeln, geht der Glauben nicht mehr so leicht.
Was sage ich ihm? Ich erinnere ihn an seine Taufe. Lade ein, wegzusehen von sich selbst, und stattdessen hinzuschauen auf Gott und das, was er in Jesus versprochen und getan hat: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!“ Wir beten zusammen, ich bitte um Segen für ihn – und hoffe, dass das sein Herz erreicht. Der Glaube ist mehr als das, was ich fühle – weil Gott größer ist als mein Gefühl von ihm.

„Wo ist unser Platz?“ - im Glauben und im Leben: die Geschichte von dem Afrikaner und Philippus ermutigt, bei Gott seinen Platz zu sehen, sich von ihm her zu verstehen. Gottes Arme sind geöffnet. Die Taufe will uns darin Gewissheit schenken.
Das gilt den Menschen die getauft wurden Mitte Juni in der Efze. Das gilt uns allen. Amen.

GEBET
Gott, du weißt, wer wir sind, kennst einen jeden von uns, rufst uns bei unserem Namen. Wir sind getauft auf deinen Namen. Du bist bei uns auf unserem Weg. Du wirst uns am Ende zusammenführen, uns zu dir bringen. Darauf vertrauen wir!
Wir danken dir für deine Zusage und bitten dich für die Menschen, die mit uns unter einem Himmel leben:
+ für alle Getauften: Gib ihnen Menschen zur Seite, die sie glauben lehren und die in ihnen Lebensfreude und Zuversicht befördern;
+ für die Menschen, deren Leben zu zerbrechen droht: Lass sie Vertrauen finden auf ihrem Weg und zu dem, wozu du sie berufen hast;
+ für die Menschen unter uns, die sich wertlos fühlen, die nicht mehr können, wie sie wollen. Für die, die sich fragen: »Wozu bin ich noch da?« Stärke in ihnen und auch in uns die Hoffnung, dass du uns dahin leiten wirst, wo du uns willst und brauchst!
+ für Menschen, die Vertreibung und Entwurzelung erleiden: Lass sie Heimat und Sicherheit erfahren, lass sie einen Weg der Versöhnung gehen und ins Leben zurückfinden.
Herr, unser Gott, du sammelst Menschen, in der weltweiten Gemeinschaft, einer für alle Menschen offenen Kirche. Wir freuen uns, dass wir zu dir gehören. Hilf uns, auch andere Menschen mit hineinzunehmen und erhalte uns im Vertrauen auf dein Wort.

VATER UNSER

SEGEN
So segne uns Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.