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Diese Andacht schrieb Pfarrerin Gudrun Ostheim, Sipperhausen

Andacht für Zuhause am 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. Juni 2021

Es ist Juni.
Der Juni ist rot. Er schmeckt nach Erdbeeren und duftet nach Heu.
Die Tage sind lang und hell und locken die Menschen ins Freie.
Es ist Sommer.

Wenn du diese Andacht liest, ist es früher Sonntagmorgen. So stelle ich mir das vor, während ich sie für Dich schreibe. Du öffnest das Küchenfenster, sitzt an deinem Tisch , spürst die frische Morgenluft und genießt den Tag, der jetzt beginnt. Den Sonntag. Dieser eine Tag dient der Sammlung, der Andacht, des Innehaltens, des Ausruhens und des Gotteslobs. Es ist der Tag des Herrn. Es ist deine Zeit mit ihm. Dienen wir einander. Feiern wir Gottesdienst.

Beginnen wir mit Worten aus Psalm 103
Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsere Übertretungen von uns sein.

Gebet
Gott, am ersten Tag der neuen Woche komme ich zu dir.
Ich suche dich mit meinem Gebet. In deinem Wort.
In deinem Segen. Ich öffne dir mein Herz und meine Seele, dass du in mir wohnen kannst.
Du bist mir willkommen.
Wenn ich dich bei mir habe, muss ich meine Wege nicht allein gehen.
Das gibt mir Mut und einen festen Schritt.
Heute und alle Tage. Amen.

Wenn wir miteinander in der Kirche wären, dann würden wir jetzt singen „Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen“, so wie der Chor immer singt zu besonderen Festen.

Vielleicht hast du die Melodie im Ohr?

Lied EG 317    Lobe den Herrn meine Seele
1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.

5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lobende, schließe mit Amen!


Es kommt die Zeit, da werden wir wieder singen, miteinander, nicht nur draußen, sondern auch drinnen im kühlen Raum der Kirche. Es kommt die Zeit, da wird sich wieder finden, was uns lange Zeit verloren gegangen ist. Vom Verlorengehen und  Wiederfinden  erzählt auch der Bibeltext zum heutigen Sonntag.


Lukas 15, 1-10

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So, sage euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Impuls
Suchen macht Mühe.
Oft suche ich nach den gleichen Dingen, dem Schlüssel, der Gartenschere, dem Geldbeutel.
Davon bräuchte man einen unendlichen Vorrat, um das Verlorene einfach durch das Neue zu ersetzen.
Hat man aber nicht, also macht man sich auf die Suche nach dem einen.
So ist das auch in der Geschichte, die Jesus den Zuhörern erzählt.
Der Hirte geht dem einen Schaf nach und die Witwe sucht die eine Münze.
Die Freude  beim Finden ist groß.

So ist Gott, sagt Jesus damit.
Er sucht das Eine, das, was verloren gegangen ist oder sich im Leben verirrt hat.
Was steht dahinter, dass jemand so handelt?
Sich um das kümmert, was verloren scheint?
Dem nachgeht, was sich verirrt hat?
Das tut jemand aus Liebe. Liebe gibt sich Mühe. Und sie gibt niemanden auf, weil das scheinbar verpfuschte  Leben  doch noch zu retten ist; weil ein anderer Weg doch noch zu gehen ist, eine andere Tür sich öffnet. Liebe glaubt daran, dass das Leben heil wird. Immer wieder. Das ist ihr Wesen.

Suchen macht Mühe. Auch die Suche nach Lösungen. Aber ohne sie gibt es kein Weiterkommen, keine Entwicklung und oft auch keine Hilfe für die drängenden Fragen des Alltags.

Die Alternative: aufgeben , sich zufriedengeben mit dem , wie es nun mal ist und jene zurück lassen, die den Anschluss verpasst haben. Das eigene Leben aufgeben .

Gott will es anders für seine Menschenkinder.
Zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, das ist zumindest sein Lebensmotto, wie der Sonntag und seine Geschichten uns vermitteln. Dazu ist Jesus in die Welt gekommen. Und wenn wir selbst einmal in der Rolle dessen sind, der sich zu verlieren droht oder sich verirrt hat, dann wissen wir zu schätzen, dass einer hingeht und sich unsrer annimmt. Nach uns fragt, auf uns achtet und sich die Mühe macht, uns zurückzuholen zu all den anderen, die den Sommer des Lebens unbeschwert genießen können.

„Das Leben hat einen Sinn. Nämlich mit anderen und für andere zu leben. Oder, wenn sie es weniger ausführlich wollen: Liebe“, so soll Norbert Blüm kurz und knapp auf die Frage eines Journalisten geantwortet haben. Er war damals 84 Jahre alt und vom Kopf ab gelähmt. Kurz und knapp mögen wir es vermutlich an heißen Junitagen wie diesen.

Also belassen wir es bei den Gedanken, dass Suchen sich immer lohnt, weil es den anderen nicht aufgibt und die Freude groß ist über den, der gefunden wird. Zumindest bei Gott. Amen.


In unserem Gesangbuch gibt es ein Lied, das diesen Gedanken aufnimmt.

Lied EG 631    In Gottes Namen wolln wir finden

In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist, in Gottes Namen wolln wir suchen, was verirrt ist, in Gottes Namen wolln wir heilen, was verletzt ist, in Gottes Namen wolln wir stärken, was geschwächt ist, in Gottes Namen wolln wir hüten, was lebendig ist wie einen Augapfel, wie mein Kind, wie eine Quelle in Gottes Namen. Amen.

Fürbitten
Nichts darf verloren gehen. Kein einer. Nicht unseren Gedanken, nicht unserem Wollen, nicht unserem Beten. Keiner darf verloren gehen, nicht die Armen und auch nicht die Reichen nicht die Kranken und auch nicht die Gesunden nicht die Opfer und nicht die Täter nicht die im Krieg und die im Frieden
nicht die, die sterben, noch die, die Leben suchen. Keiner darf verloren gehen. Keiner.
Dafür haben wir zu sorgen, uns zu kümmern, im Beten, im Wachen, im Suchen. Versprochen: Dir, uns und mir. Amen.

Vater unser ….

Juniwunsch
Ich wünsche dir, dass der Sommerwind dich erinnert:
Der Atem Gottes durchdringt die Erde und belebt sie mit seiner Liebe. Er ist um dich und in dir. In seiner Liebe lebst du.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.