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Die Andacht schrieb Pfarrer Friedrich Heidelbach, Homberg

Andacht für Zuhause, Januar/Februar 2023

ERÖFFNUNG
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

GEBET
Guter Vater im Himmel,
wir sind hier und du bis da – und das ist gut! Wir danken dir für diesen Tag mit all seinen Möglichkeiten. Wir danken dir für deine Fürsorge und Liebe, die du für uns bereithältst. Für jetzt bitten wir dich, dass du uns in dem, was unser Leben ausmacht, begegnest. Schenke denen von uns, die traurig sind, deinen Trost. Gib den Mutlosen Hoffnung, lass die fröhlichen dankbar werden.
Komm uns nah, sprich uns an, so dass wir gestärkt in die neue Woche gehen können. Amen.

IMPULS
Haben Sie heute schon in den Spiegel geschaut? Waren Sie zufrieden mit dem, was Sie gesehen haben?
Und: Geht es Ihnen auch so wie mir? Manchmal brauche ich länger, bis ich einverstanden bin mit dem, was ich da sehe… So ist es – nicht ganz leicht, aber das muss man wohl aushalten…

Sich selbst wahrnehmen. Sich selbst einschätzen. Gar nicht so einfach. Denn man will ja mit sich selbst zufrieden sein - nicht nur beim Aussehen. Und all die anderen haben ja auch Erwartungen an einen.

Ich möchte gerne ein guter Ehemann, Vater und oder ein guter Pfarrer sein, gemocht, beliebt und angesehen. Erwartungen sind da, die möchte ich gerne erfüllen. Und wie schwer ist das dann oft, wenn man diesen Erwartungen nicht nachkommt, ihnen nicht entspricht. Wie viel Mühen kostet es, das auszuhalten oder dem hinterher zu rennen. Wie beschwerlich kann dadurch das Leben werden.

Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe, Beachtung, Bestätigung - das suchen wir, das brauchen wir wohl alle. Und mancher verbraucht viel Energie und wendet viel Mühe auf, das zu erreichen... Es ist eben nicht einfach, vor anderen Menschen und sich selbst bestehen zu können...

Das war auch nicht anders in der Zeit, in der Paulus seinen Brief an die christliche Gemeinde in Rom schrieb. Aus dem Anfangsteil des Briefes ist der Predigttext für heute vorgesehen, den ich Ihnen gleich vorlesen werde.

Rom war damals eine Welthauptstadt. Sie strotzte nur so von prunkvollen und reichen Tempeln. Sie erstrahlte von den steinernen Zeugnissen einer Religion, die sich einem besonderen Ziel verschrieben hatte: der Vergottung des Menschen. Wer den Lebensweg tugendhaft, mutig und tapfer zurücklegte, dem richtete man zur Erinnerung marmorne Säulen, Altäre und Tempel auf.

Auch damals war das wichtig, was vor Augen wahr: das äußere Bild. Die Römer hatten in ihren Statuen und Bauwerken Spiegelbilder der idealen Menschen gebaut, um sich darin wiederzufinden und um andere daran zu messen.

Mitten in diese Welt, in der Götter als erhaben und unantastbar galten und in der Prunk ein Spiegel des Göttlichen war, redet Paulus über das Evangelium, die Frohe Botschaft von Jesus von Nazareth, den Sohn Gottes, der in die Welt kommt, um für die Menschen zu sterben. Paulus schreibt an die Christen und Christinnen in Rom - wenn Sie die Verse noch einmal lesen wollen, schauen Sie in den Römerbrief, Kapitel 1, Vers 16 und 17. (Gute Nachricht)

>Zu diesem Evangelium bekenne ich mich offen und ohne Furcht; denn in ihr wirkt Gottes Macht. Sie bringt allen Menschen Rettung, die ihr glauben; den Juden zuerst, aber ebenso den Menschen aus den anderen Völkern. Durch die gute Nachricht macht Gott seine große Treue bekannt. In ihr zeigt er, wie er selbst dafür sorgt, daß die Menschen vor ihm bestehen können. Der Weg dazu ist vom Anfang bis zum Ende das bedingungslose Vertrauen auf ihn. So steht es in den heiligen Schriften: „Wer Gott vertraut, kann vor ihm bestehen und wird leben!“<

Soweit die Paulusworte aus dem Römerbrief.
Er schreibt sie Menschen, die in einer Welt lebten, in der der „Schein“ mehr galt als der wahre Mensch. Er schreibt sie an Menschen, in deren Zeit und Umwelt das Ideal des Menschen über allem stand. Diesen Menschen schreibt er vom Evangelium.

Diese gute Nachricht erzählt von Jesus von Nazareth, der alle hohen Ideale und Ansprüche hinter sich lässt und sich auf eine niedere Ebene begibt. Das Evangelium redet von Jesus, der eben genau nicht einer war, der nach Herrlichkeit und Ansehen strebte, sondern verletzlich, angreifbar, unanschaulich wurde, als er am Kreuz hing. Er war doch einer, der sich auf die Seite der Schwachen und Verlierer gestellt hat.

Und so zeigt das Evangelium kein Idealbild eines Menschen, mit dem überall Aufsehen und Bewunderung erregt werden könnte. Es lädt nicht dazu ein, sich die Schminke und den Duft der großen Erfolge und der Makellosigkeit aufzutragen. Ganz im Gegenteil.

Das Evangelium macht deutlich, dass wir ehrlich sein sollen: gegenüber uns selbst, gegenüber den Mitmenschen, gegenüber Gott. Wir brauchen nicht mehr sein zu wollen, als wir sind. Wir sind nicht abhängig von der Sicht der anderen. Wir müssen nicht so viel Energie darauf verwenden, stark zu sein, wenn wir lieber schwach wären. Wir können so sein, wie wir sind.

Mutig können wir Ja sagen zu uns selbst, denn unsere Wertigkeit hängt erst einmal nicht an dem, was andere von uns denken, an dem, was wir zu leisten in der Lage sind. Sondern im Glauben an Gott erscheinen wir in im Licht gottes – und das leuchtet ganz anders auf uns als alle Lichter und Scheinwerfer unserer Welt.

Hören wir das Befreiende in diesen Worten? Gott erlaubt uns, ein wahrhaftiges Bild von uns zu entdecken, das mit dem Leben mehr Ähnlichkeit hat, als die Bilder, die wir und andere von uns haben. Christus ist der Grund des Lebens, das wertvoll und hell und geliebt bleibt, auch wenn es die Meinungen der Welt anders wiedergeben. Christus ist der Grund des Lebens, das wertvoll bleibt, auch und gerade in Krankheit, Leid und Sterben. Christus ist der Grund des Lebens, das wertvoll bleibt, auch wenn wir nicht alles können und schaffen.

Gott schenkt uns Menschen Gerechtigkeit. Er wendet sich uns Menschen zu in Jesus Christus, dass wir vor ihm bestehen können. Im Vertrauen zu Gott brauchen wir uns nicht anzustrengen, den menschlichen Idealbildern gerecht zu werden.

Gott schenkt uns Gerechtigkeit. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir so sind, wie wir sind. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir keine Abbilder vom strahlenden Mut, Unbeugsamkeit und Stärke sind. Wir brauchen uns dafür zu schämen, dass wir ohne großes Ansehen, ohne ständige Rechthaberei und anhaltende Bewunderung auskommen.

Wenn wir Gott ernstnehmen, brauchen wir uns nicht selbst zu gefallen, denn Gott ist es, der uns gefällig macht. Weil er uns annimmt und uns vergibt, dürfen wir uns anders sehen, als es mancher morgendliche Blick in den Badezimmerspiegel erwarten lässt. Das ist die starke und befreiende Botschaft des Evangeliums.

Gott ermutigt uns zum wahrhaftigen Blick auf uns selbst. Vor Gott können wir unsere Masken abnehmen. Gott schenkt uns ohne unsere Leistung durch Jesus Leben, das Bestand hat – auch über das Leben hier hinaus. Dafür sei ihm gedankt!

Anders gesagt: Schauen Sie heute nochmal in einen Spiegel. Und sagen Sie zu dem Gegenüber: „Grüß Dich, Du Kind Gottes! Du bist geliebt. Du bist gewollt. Du bist schön!“ Amen.

VATER UNSER

SEGEN
So segne und behüte uns Gott. Amen. 

 
 

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GEBET für den Frieden

LIED 430,1+2 Gib Frieden Herr, gib Frieden…
1. Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf. Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf. Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.
2. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr. Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr. Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein. Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

KLAGE
Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein! Nicht gestern, nicht heute, nicht morgen.
Und doch ist Wirklichkeit geworden, was wir uns alle nicht haben vorstellen können. Es herrscht Krieg in Europa. Recht und Gerechtigkeit werden gebeugt und wir sind voller Sorge und Angst, was auf die Menschen in der Ukraine und in Russland, was auf uns und auf die Welt zukommt.
Wir sind fassungslos. Worte fehlen. Unsere Kraft ist zu klein. Wir fühlen uns hilflos.
Wir wollen im Gebet an die Menschen denken, die in all dies Schreckliche verwickelt sind und daran mitwirken.
Wir hoffen und beten, dass noch Vernunft einkehren möge, ein Stopp der Angriffe erfolgt, eine Umkehr zum Frieden. In Europa und in der weiten Welt.

GEBET
Gott, wohin sollen wir uns wenden, hilflos angesichts des Krieges in der Ukraine?
Wir sorgen uns um die Menschen, die den Angriffen ausgeliefert sind und Frieden wollen.
Wir sorgen uns um Europa und fürchten die Eskalation der Gewalt.
Wir sorgen uns um die Menschen in den Kriegs- und Krisengebiete in unserer Welt!
Wir wenden uns an dich, Gott, und bitten, dass Feindschaft überwunden wird.
Lass uns menschenverachtenden Parolen widerstehen.
Mach uns immun gegen das Gift von Hass, Falschmeldungen, Polarisierungen und Abgrenzungen.
Erfülle uns mit dem Geist des Friedens.
Wir sagen dir nun in der Stille, was wir auf dem Herzen haben.

STILLE

ZUSPRUCH
Jesus sagt:
>Glückselig sind die, die Frieden stiften.
Denn sie werden Kinder Gottes heißen!<
So sind wir auf dem Weg und vertrauen, das Gottes Liebe größer ist als der Hass von uns Menschen.

LIED 430,3+4 Gib Frieden Herr, gib Frieden…
3. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt. Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt, damit wir leben könnten,
in Ängsten und doch frei, und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.
4. Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

SEGEN
So segne uns und unsere Welt, Gott, Vater Sohn und Heiliger Geist. Amen.